The Caravaners. Elizabeth von Arnim

Wieder ein Treffer von Elizabeth von Arnim.  „The Caravaners“, auf deutsch: „Die Reisegesellschaft“, erschien 1909, ein Jahr nachdem von Arnim ihren ersten Ehemann, den preußischen Grafen von Arnim-Schlagenthin, verlassen hatte und sechs Jahre vor dem ersten Weltkrieg.

Drei Aspekte machen diesen Roman ungewöhnlich im Werk von Arnims.

  • Es gibt einen Ich-Erzähler.
  • Die Perspektive, aus der erzählt wird, ist die eines Mannes
  • Und das Buch ist noch viel stärker satirisch als die anderen.

Wie immer bei von Arnim geht es eigentlich um fast nichts und es passiert auch wenig. Ein deutsches Barons-Ehepaar beschließt auf Anregung einer befreundeten Bekannten, gemeinsam mit deren englischen Verwandten und wiederum deren englischen Bekannten in England einen Pferde-Wohnwagen-Urlaub zu machen. Dieser dauert eine Woche bei typisch wechselndem Wetter. Erzählt werden die wenig spektakulären Ereignisse dieser Woche wie Kochen bei Regen, Abwaschen des Geschirrs, Einpacken am Morgen, die Fahrt von einem Stellplatz zum nächsten…

Wie immer ist der Ton heiter und plaudernd. Es liest sich flott. Man fühlt sich bestens unterhalten.

Allerdings ist der Ich-Erzähler ein ziemlich übles und ziemlich typisches Exemplar traditionellen preussischen Militär-Adelstums der vorletzten Jahrhundertwende. Ein patriotischer Nationalist. Ein Chauvinist. Ein Geizkragen und Schmarotzer. Eitel und aufgeblasen. Bigott. Wehleidig. Voller Etiquette. Von sehr geringer Sozialkompetenz. Stolz darauf, Frankreich schon besiegt zu haben. Voller Vorfreude darauf, dass England dann auch bald dran ist.

Ohne Zitate kann ich nicht aufhören:
„(…) a reasonable man will take care to consider the suggestions made by his wife from every point of view before consenting to follow them or allowing her to follow them. Women do not reason: they have instincts; and instincts would land them in strange places sometimes if it were not that their husbands are there to illuminate the path for them and behave, if one may so express it, as a kind of guiding and very clever glow-worm. As for those who have not succeeded in getting husbands, the flotsam and jetsam, so to speak, of their sex, all I can say is God help them.“

„Doing, as all persons of intellect know, is a very inferior business to thinking, and much more likely to make one hot. But these cool excursions of the intellect are not to be talked about to women and the lower classes. (…) The less you have the more it is necessary that you should be contented (…). Women it is true are fairly safe so long as they have a child once a year, which is Nature’s way of keeping them quiet (…).“

„Irreverence in the treatment of its creeds is an inevitable sign that a nation is well on that downward plane which jerks it at last into the jaws of (say) Germany. Well, so be it. Though irreverence is undoubtedly an evil, and I am the first to deplore it, I cannot deplore it as much as I would if it were not going to be the cause of that ultimate jerking. And what a green and fruitful country (i.e. England) it is! Es wird gut schmecken, as we men of healthy appetite say.“

Noch sechs Jahre bis zum ersten Weltkrieg…

Auch zu anderen Romanen von Arnims gibt es schon Beiträge in diesem Blog, und zwar hier: Liebe, Introduction to Sally, The solitary summer.

2 Gedanken zu „The Caravaners. Elizabeth von Arnim“

  1. Das Buch ist mit klarem Blick und scharfer Zunge geschrieben. Viele Frauen – und Männer – werden typische Verhaltensweisen wiedererkennen. Bedrückend ist, wie deutlich die Arroganz eines ostpreußischen Adligen herausgearbeitet ist, der sich als Teil einer zu Recht privilegierten Elite sieht: weil er von adliger Geburt ist, weil er Offizier ist und weil er ein Mann ist… „Elite“ in einer miesest möglichen Interpretation. Der erste Ehemann der Autorin war Junker aus Ostpreußen. Mehr in der Biografie „Elisabeth“ von Karen Usborne.

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