You can’t do both. Kingsley Amis

Nach „Lucky Jim“ und längerer Zeit jetzt wieder ein Beitrag zu Kingsley Amis. Der Roman für heute: „You can’t do both“, erschienen 1994, in deutsch nicht zu bekommen (warum eigentlich?).

Vorweg: Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, empfehle es daher auch gerne weiter.

Warum? Das sagt alles der Klappentext: „Robin Davis (…) is both a shrewd observer and an energetic actor which takes him from school to Oxford. With him we live through all the pangs of South London adolescence in a pre-war household whose gods enshrine the gentility principle.“ Und: „(…) Amis as you know him – brilliantly funny, outrageous, and exact ro every social nuance; but also as you’ve never known him before, writing with tenderness and compelling insight in a story which is strongly autobiographical.“

Eine Sache verschweigt er: Robin Davis ist ein ziemlich eingefleischter Selbstoptimierer, dem Wohl und Wehe seiner Nächsten nicht so wichtig sind, solange es für ihn und sein Vergnügen gut ausgeht. Ein sehr beeindruckendes und abschreckendes Porträt.

Ergänzen muss ich aus gegebenem Anlass meines Beitrags über Sayers‘ „Murder must advertise„, dass auch dieser Roman ein Cricket-Buch ist. Noch besser, es ist das EINZIGE Buch mit Buch-Cricket!!
„‚Of course if I get a moment to myself ever I might play a bit of book cricket. (…) Each letter of the alphabet stands for something that can happen when a ball is bowled, like no run, one run, two, three, four, six, and wicket down. The twelve commonest letters give no run, the next six commonest one run and so on. (…) When you’ve settled all the letters in the alphabet you go through a book, as I said. ‚The cat sat on the mat‘ would give you three overs less one ball with no score except on M, which would give you a single. For instance.'“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

Monty Python’s flying circus: selected sketches. Monty Python

And now for something completely different: Monty Python’s flying circus.

Die Komikertruppe Monty Python ist eine – leider nicht mehr aktive – englische Institution. Wikipedia beschreibt ihren „flying circus“: „Monty Python’s Flying Circus (known during the final series as just Monty Python) is a British sketch comedy series created by the comedy group Monty Python and broadcast by the BBC from 1969 to 1974. The shows were composed of surreality, risqué or innuendo-laden humour, sight gags and observational sketches without punchlines. It also featured animations by group member Terry Gilliam, often sequenced or merged with live action.“

Am Besten schaut man sich das auf DVD an – unbedingt auf Englisch, denn in Übersetzung funktioniert das nicht -, wappnet sich mit interkultureller Kompetenz und dann geht’s los.

Alternativ gönnt man sich die Auswahl von Sketches in einem Band der Reihe Fremdsprachentexte bei Reclam. Die bietet den Vorteil, obskurere Worte und apokryphe Anspielungen jeweils als Fußnote erklärt zu bekommen. Dafür fehlt allerdings alles Visuelle und der Ton – und damit bestimmt die Hälfte. Gut an der Ausgabe: Sie bietet nicht nur einzelne Sketche, sondern auch den Text kompletter Episoden. Und der völlig abgedrehte, abrupte, zusammenhanglose (oder doch bedeutungsvolle?) Wechsel zwischen Sketches und wieder zurück und quer und noch einmal rückwärts ist eine gute Übung in Mentalakrobatik und für die Gesichtsmuskulatur.

Oder man nimmt beides, DVDs und Buch, für die vollständige Kurpackung an Political Incorrectness.

Als kurzes Beispiel das von Reclam gewählte Beispiel auf dem Einband:
„MAN. I was here on Saturday, getting married to a blond girl, and I’d like to change please.
REGISTRAR. What do you mean?
MAN. Er, well, the other wasn’t any good, so I’d like to swap it for this one, please. Er, I have paid. I paid on Saturday. Here’s the ticket.
Gives him the marriage licence.
REGISTRAR. Ah, ah, no.“

Wem Sketche zu kurz sind, kann natürlich auch auf Spielfilmlänge wechseln mit dem „Leben des Brian“ als vielleicht bestem Beispiel für sehr intelligenten, sehr schwarzen, sehr britischen Humor. Da funktioniert sogar die deutsche Übersetzung.

In the mountains. Elizabeth von Arnim

Unter den beinahe unbekannten Büchern der (fast) unbekannten Autorin Elizabeth von Arnim zählt „In the mountains“ zu den besonders unbekannten. Dies ändert auch nicht die deutsche Übersetzung unter dem Titel „Ein Chalet in den Bergen“, erst recht nicht die italienische Übersetzung, auch wenn sie vielleicht mit das passendste Cover hat.
Uno chalet tutto per me von [Arnim, Elizabeth von]

Dieser Roman, erschienen im Jahr 1920, ist geprägt von den Folgen des ersten Weltkriegs. Nach fünf Jahren Abwesenheit und dem Verlust vieler Freunde und Verwandter kehrt eine Frau allein wieder zurück in ihr Haus in den Schweizer Bergen. Sie ist niedergeschlagen, ohne Mut, ohne Lebensfreude und möchte nur noch Ruhe, Ruhe, Ruhe. So der Start. Und zum Glück – wie meist bei von Arnim – werden die Dinge dann nach und nach wieder besser.

Viel Plot braucht von Arnim nicht. Auch gibt es nur einen einzigen Ort, an dem die gesamte Handlung spielt. Der Roman ist als eine Serie von Tagebucheintragungen konzipiert. Er lebt von den Dialogen, den Kommentaren, den Charakteren. Und davon lebt er sehr gut. Auch wenn „In the mountains“ wahrscheinlich nicht von Arnims bester Roman ist, ich habe ihn an einem Tag mit viel Genuss und Freude gelesen.

Als Leseprobe eine Partie zu den Risiken und Nebenwirkungen des Sortierens von Büchern:
„But it is impossible, I find, to tidy books without ending by sitting on the floor in the middle of a great untidiness and reading. (…) You open a book idly, and you see:

‚The most glaring anomalies seemed to afford them no intellectual inconvenience, neither would they listen to any arguments as to the waste of money and happiness which their folly caused them. I was allowed almost to call them life-long self-deceivers to their faces, and they said it was quite true, but that it did not matter.‘

Naturally then you read on.
You open another book idly, and you see:

‚Our admiration of King Alfred is greatly increased by the fact that we know very little about him.‘

Naturally then you read on.
You open another book idly, and you see:

‚Organic life, we are told, has developed gradually from the protozoon to the philosopher, and this development, we are assured, is indubitably an advance. Unfortunately it is the philosopher, not the protozoon, who gives this assurance.‘

Naturally then you read on..
You open – but I could go on all day like this (…).“

Dies ist nicht das erste Buch von Arnims, das wir in diesem Blog besprechen – empfohlen haben wir sie bisher alle.

The Caravaners. Elizabeth von Arnim

Wieder ein Treffer von Elizabeth von Arnim.  „The Caravaners“, auf deutsch: „Die Reisegesellschaft“, erschien 1909, ein Jahr nachdem von Arnim ihren ersten Ehemann, den preußischen Grafen von Arnim-Schlagenthin, verlassen hatte und sechs Jahre vor dem ersten Weltkrieg.

Drei Aspekte machen diesen Roman ungewöhnlich im Werk von Arnims.

  • Es gibt einen Ich-Erzähler.
  • Die Perspektive, aus der erzählt wird, ist die eines Mannes
  • Und das Buch ist noch viel stärker satirisch als die anderen.

Wie immer bei von Arnim geht es eigentlich um fast nichts und es passiert auch wenig. Ein deutsches Barons-Ehepaar beschließt auf Anregung einer befreundeten Bekannten, gemeinsam mit deren englischen Verwandten und wiederum deren englischen Bekannten in England einen Pferde-Wohnwagen-Urlaub zu machen. Dieser dauert eine Woche bei typisch wechselndem Wetter. Erzählt werden die wenig spektakulären Ereignisse dieser Woche wie Kochen bei Regen, Abwaschen des Geschirrs, Einpacken am Morgen, die Fahrt von einem Stellplatz zum nächsten…

Wie immer ist der Ton heiter und plaudernd. Es liest sich flott. Man fühlt sich bestens unterhalten.

Allerdings ist der Ich-Erzähler ein ziemlich übles und ziemlich typisches Exemplar traditionellen preussischen Militär-Adelstums der vorletzten Jahrhundertwende. Ein patriotischer Nationalist. Ein Chauvinist. Ein Geizkragen und Schmarotzer. Eitel und aufgeblasen. Bigott. Wehleidig. Voller Etiquette. Von sehr geringer Sozialkompetenz. Stolz darauf, Frankreich schon besiegt zu haben. Voller Vorfreude darauf, dass England dann auch bald dran ist.

Ohne Zitate kann ich nicht aufhören:
„(…) a reasonable man will take care to consider the suggestions made by his wife from every point of view before consenting to follow them or allowing her to follow them. Women do not reason: they have instincts; and instincts would land them in strange places sometimes if it were not that their husbands are there to illuminate the path for them and behave, if one may so express it, as a kind of guiding and very clever glow-worm. As for those who have not succeeded in getting husbands, the flotsam and jetsam, so to speak, of their sex, all I can say is God help them.“

„Doing, as all persons of intellect know, is a very inferior business to thinking, and much more likely to make one hot. But these cool excursions of the intellect are not to be talked about to women and the lower classes. (…) The less you have the more it is necessary that you should be contented (…). Women it is true are fairly safe so long as they have a child once a year, which is Nature’s way of keeping them quiet (…).“

„Irreverence in the treatment of its creeds is an inevitable sign that a nation is well on that downward plane which jerks it at last into the jaws of (say) Germany. Well, so be it. Though irreverence is undoubtedly an evil, and I am the first to deplore it, I cannot deplore it as much as I would if it were not going to be the cause of that ultimate jerking. And what a green and fruitful country (i.e. England) it is! Es wird gut schmecken, as we men of healthy appetite say.“

Noch sechs Jahre bis zum ersten Weltkrieg…

Auch zu anderen Romanen von Arnims gibt es schon Beiträge in diesem Blog, und zwar hier: Liebe, Introduction to Sally, The solitary summer.

Bertrams Hotel. Agatha Christie

Unter den über 60 Krimis von Agatha Christie – Kurzgeschichten nicht mitgezählt – gehört dieser meiner Meinung nach schon in das obere Drittel.

Bertrams Hotel erschien 1965 und gehört in die Reihe der Krimis mit Miss Marple. Ein klassischer Miss Marple ist er aber dennoch nicht, denn sie hat eher eine Nebenrolle: Die Polizei bekommt selber etwas auf die Reihe und löst den Fall im Wesentlichen selbst.

Sehr gelungen ist die Darstellung von Bertrams Hotel, das so intensiv und anschaulich beschrieben ist, das es fast wie eine der handelnden Personen wirkt. Bertrams ist ein Hotel der deutlich gehobenen Klasse, „quietly expensive“, wie ein Relikt aus der edwardianischen Zeit, mit Afternoon Tea und viel ausgezeichnetem Personal.

Die Handlung ist spannend, allerdings ein wenig reißerisch und die Auflösung kommt ein wenig plötzlich daher. Andererseits sind zwei der Hauptpersonen, Bess, Lady Sedgwick, eine Abenteurerin reinsten Wassers, die gerne gefährlich lebt, und ihre Tochter Elvira Blake, die als Apfel auch nicht weit vom Stamm fiel, wirklich ausgezeichnet ausgedacht.

Die Rezensionen nach dem Erscheinen waren nicht euphorisch. Der Observer schrieb: „A.C. is seldom at her best when she goes thrillerish on you. This one is a bit wild and far-fetched, but it’s got plenty of that phenomenal zest and makes a reasonably snug read.“

Snug read, indeed.
Besonders auf Italienisch, wenn die Übersetzung so gelungen ist wie die Maria Mammana Gislon bei Mondadori. Da profitiert der Wortschatz gleich mit. Die Formulierung „una persona acqua e sapone“ beispielsweise kannte ich vorher noch nicht.
Als Eindruck eine Passage zu den Sesseln im Bertrams:
„Le poltrone, sollevate sufficientemente da terra, permettevano alle signore artritiche di alzarsi in piedi senza doversi divincolare in modo tutt‘ altro che dignitoso. I sedili di queste poltrone, al contrario di tante altre moderne e costosissime, non si fermavano a mezza strada tra la coscia e il ginocchio, infliggendo così indicibili torture a chi soffre di artrite o di sciatica, e inoltre la loro forma era assai varia: ce n’erano di larghe e di strette, alcune con schienali diritti e altre con schienali inclinati, in modo da poter accogliere sia i magri che gli obesi. Persone di qualsiasi dimensione erano certe di trovare una comoda poltrona al Bertram Hotel.“

In jeder Hinsicht zu empfehlen ist auch die Verfilmung mit Joan Hickson als Miss Marple, die wir schon auf unserer Krimiseite lobend erwähnt haben (nicht jedoch die neueren Verfilmungen).

 

Pure pleasure: A guide to the 20th century’s most enjoyable books. John Carey

Warum sollte man sich nicht inspirieren lassen von den Lese-Empfehlungen eines Englisch-Professors, der ein Faible für lesbare Bücher hat? Besonders wenn die Worte „pleasure“ und „enjoyable“ dabei fallen? Dachte ich und bestellte „Pure pleasure: a guide to the 20th century’s most enjoyable books“ von John Carey, dessen Autobiographie ich schon an anderer Stelle wärmstens empfohlen habe.

Der Verlag hat’s nicht richtig gut gemeint mit Carey: Der Einband passt gar nicht zu „pleasure“ und „enjoyable“…

Zum Glück macht das der Inhalt wett. Insgesamt 50 Werke stellt Carey vor, chronologisch sortiert, nicht nur (aber vor allem) englische Texte, nicht nur (aber vor allem) Belletristik, (fast) immer auf drei Seiten, meistens (aber nicht ausschließlich) nicht die Werke, an die man sowieso denkt, sondern die etwas unbekannteren Meisterwerke aus der zweiten Reihe. Von James Joyce „A portrait of the artist as a young man“ gehört dazu, George Orwells „Coming up for air“, Seamus Heaneys „Death of a Naturalist“, Thomas Manns „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“.

Die Auswahl ist anregend: Nicht alle Werke kenne ich, von manchen hatte ich noch nicht einmal gehört (z.B. Chestertons „The man who was Thursday“), auch einige Autoren waren mir nicht geläufig (z.B. S.J. Perelman). Man wird zum Lesen inspiriert, denn Carey hat großes Geschick darin, das Besondere herauszuarbeiten, einzelne Facetten und Zitate funkeln zu lassen. Das Lesen macht Spaß, denn Carey kann schreiben.

Zwei Einschränkungen dennoch: Nicht alle Bücher würde ich unter „Pure pleasure“ einsortieren, da sie inhaltlich gar zu biestig sind (z.B. Ian McEwans „The cement garden“). Und die Beiträge sind nicht alle auf demselben hohen Niveau. Diese Einschränkungen sind aber schon etwas nickelig und sollen die Empfehlung nicht dämpfen.

Ein Beispiel des Carey-Funkelns zu Elizabeth Bowens „The house in Paris“:
„Her dialogues are (…) compunded of terse, brainy rhetoric like an intellectual game. She keeps producing sentences that you want to learn by heart to help you understand life better. It is true that she could not write as she does of she had not read Henry James first. But she goes beyond her Mentor. He is James plus sex. Besides, James was male, by and large, whereas Bowen is female to her fingertips, and knows things men do not. Perhaps that is why men tend not to read her. It is also why they should.“

Liebe. Elizabeth von Arnim

Das dritte Buch von Elizabeth von Arnim, das wir in diesem Blog empfehlen, nach The solitary summer und Introduction to Sally. Dieses Mal handelt es sich um ihren 15. Roman, erschienen 1925 unter dem Titel „Love“, im Gruppenfoto der vierte Band von links.

Etwas spät, aber immerhin noch rechtzeitig im Jahr ihres 150. Geburtstags, für den Elizabeth-Enthusiasten nicht nur eine Elizabeth-Rose gezüchtet, sondern auch einen passenden Kuchen gebacken haben.

Statt eines Kuchens also ein Blogbeitrag…. Um aber wenigstens festlich ein wenig nicht englisch-sprachige Abwechslung in unseren Blog zu bringen, habe ich dieses Buch nicht im Original oder in Deutsch gelesen, sondern die ausgezeichnete spanische Übersetzung mit flottem 20er Jahre Einband von Lucía Vázquez de Castro.

Neben Krimis in Übersetzung sind Bücher von Arnims wahrscheinlich mit am besten dazu geeignet, die eigenen Fremdsprachenkenntnisse auf angenehme und anregende Art und Weise fit zu halten: recht einfach geschrieben, kein abgehobener Wortschatz, viel wörtliche Rede; amüsant, auch spannend, jedenfalls ein wenig bissig, immer mit viel Menschenkenntnis, durch und durch human.

„Amor“ behandelt ein ungleiches Liebespaar, Er Mitte zwanzig, Sie in den Vierzigern, beide schwer ineinander verliebt, wobei Sie das rational für Unsinn und ein Unding hält. Eine damals (und heute?) schwierige Konstellation, geprägt von viel Ablehnung der Mitmenschen, Ängsten und Voreingenommenheit der beiden Protagonisten, aber auch von viel Vertrauen, Unbedingtheit, Zuwendung der beiden.

Catherine Cumfrit und Christopher Monckton lernen sich in einem Kino kennen:
„La primera vez que se vieron, aunque no lo sabían porque no eran conscientes de la presencia del otro, fue en La hora immortal, que se presentaba entonces con escasísimo público allá en King’s Cross; pero ambos iban tan a menudo y la audiencia era en aquella época tan visible por lo poco numerosa (…).
Ella fue consciente de su presencia por primera vez durante la noche de su quinta visita, cuando oyó hablar a dos personas detrás de ella justo antes de levantarse el telón, y una de ellas decía con orgullo: ‚Es la undécima vez que vengo‘, y la otra respondió, sin darle importancia: ‚Yo, es la trigésima segunda‘. (…)
A partir de entonces notaron su mutua presencia durante tres representaciones más y luego, cuando era la novena de ella y la trigésima sexta de él (…) y se encontraban sentados en la misma fila con sólo doce asientos vacíos entre ellos, él se aproximó seis hacia ella cuando cayó el telón entre las dos escenas del primer acto y, al final de éste, tras aquella escena de amor que invariablemente elevaba al pequeño grupo de fieles a una especie de místico frenesí de deleite, se aproximó los otros seis y se sentó con audacia junto a ella.“

Nach dem Kennenlernen kommt viel Liebe, aber auch viele Beispiele dafür, wie Menschen sich und einander das Leben durch Konventionen und Vorurteile mies machen können. Zum Glück hat Elizabeth von Arnim eine große Fähigkeit, auch den biestigsten Szenen durch ironische Boshaftigkeit etwas Erfreuliches mit zu geben.

Natürlich hat „Amor“ ein Happy End, aber mit einem Glücksgefühl, das einem im Halse stecken bleibt. Kein romantischer Sonnenuntergang, davor ein Liebespaar Hand in Hand umwoben von kitschiger Musik, sondern sehr unschöne Wolken am Horizont….:
„Iba a decir: ‚Nos querremos much‘, pero pensó que aquello podría parecer una exigencia y se detuvo.
Se quedaron silenciosos un rato, tan inmóviles que los conejos empezaron a pensar que no estaban allí y se les acercaron mucho con sus movimientos desgarbados.
Entonces, él dijo muy dulcemente:
– Voy a cuidar de ti, Catherine.
Y ella respondió, con la voz algo temblorosa:
– ¿Sí, Chris? Estaba pensando que eso es lo que voy a hacer contigo.
– Muy bien. Entonces, nos cuidaremos mutuamente.
Los dos trataron de reírse, pero fue una risa trémula e insegura, porque los dos tenían miedo.“

Für all diejenigen, die dieses Buch weder in der englischen noch in einer spanischen Version lesen möchten – aber lesen sollte man es! – gibt es auch eine deutsche Übersetzung, die antiquarisch zu bekommen ist.

Introduction to Sally. Elizabeth von Arnim

Schon an anderer Stelle habe ich Bücher von Elizabeth von Arnim empfohlen. Eine ideale Autorin für warme Sommertage, wenn das Monumentalwerk zur Geschichte der europäischen Scholastik unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses von Duns Scotus und Johannes Scotus Eriugena nicht das richtige ist.

„Introduction to Sally“, erschienen 1926, ist nicht mein Favorit unter von Arnims Romanen, aber ein gutes und gut lesbares Buch ist es allemal. Und da sollte man sich vom Einband der Erstausgabe nicht abschrecken lassen.

Die Titelheldin ist schön. Und schöne Frauen haben es nicht leicht.
Das hat schon Apuleius in der Antike gewusst und im Märchen von Amor und Psyche thematisiert. 1911, also etwas dichter am Erscheinungsjahr von Sally, hat Max Beerbohm in Zuleika Dobson die tragikomischen Aspekte in seinem einzigen Roman verarbeitet – eine Verbindung, die schon in einem anderem Blog aufgegriffen wurde. Und Shaws Pygmalion ist auch nicht weit weg.

Die Titelheldin ist schön. Und schöne Frauen können es weit bringen.
Dafür gibt es mehr Belege, als dass es nötig wäre, Beispiele zu nennen.

In Kombination ergibt das eine klassische Spannungskurve mit Exposition, Katharsis und Peripetie, vor allem aber mit einem Happy End – rechtzeitig zum Sommerabend, wenn dann der Cocktail neben einem steht. Die „dei ex machinis“ sind dabei ein englischer Duke und seine Tochter; seine „machina“ ein Rolls Royce, ihre ein englischer Zug in der ersten Klasse.

Immer wieder beeindruckend sind die witzig-weisen Formulierungen und Charakterisierungen von Arnims, zum Beispiel:
„Mr. Pinner was a God-fearing man, who was afraid of everything, except respectability. He married Mrs. Pinner when they were both twenty, and by the time they were both thirty if he had had to do it again he wouldn’t have. For Mrs. Pinner had several drabacks. One was, she quarrelled; and Mr. Pinner, who prized peace, was obliged to quarrel too. Another was, she appeared to be unable to have children; and Mr. Pinner, who was fond of children, accordingly couldn’t have them either. And another, which while it lasted was in some ways the worst, was that she was excessively pretty.“

Kai Lung’s golden hours. Ernest Bramah

Für mich die Entdeckung des Monats: Ernest Bramah,

von dem ich vorher noch nichts, aber auch noch gar nichts gehört hatte. Damit war ich jedoch gar nicht schlecht unterwegs und immerhin auf dem Stand des Concise Oxford Companion to English Literature: Kein Eintrag!

Vielleicht liegt diese offensichtliche Heimlichtuerei daran, dass Bramah unter anderem berühmt war für seine Detektivgeschichten um einen blinden Spion, Max Carrados, die damals in einem Atemzug mit Arthur Conan Doyle genannt wurden.

Jorge Luis Borges war da kritischer, aber gleich mit einem guten konstruktiven Tipp: „Bramah’s books fall into two very unequal categories. Some, fortunately the smaller part, record the adventures of the blind detective, Max Carrados. These are competent, mediocre books. The rest are parodic in nature: they pass themselves off as translations from the Chinese, and their boundless perfection achieved the unconditional praise of Hilaire Belloc in 1922.“
Deshalb habe ich keinen Thriller gelesen, sondern „Kai Lung’s Golden Hours“, den zweiten Roman der Kai Lung-Serie.

Kai Lung ist ein wandernder Geschichtenerzähler im China der Kaiserzeit. Der Aufbau des Buchs erinnert an 1001 Nacht oder auch an das Decameron mit dem typischen Wechsel aus Rahmenhandlung und eingebetteten Geschichten. Besonders und außergewöhnlich ist der Roman wegen seiner Sprache. Vielleicht inspiriert durch chinesische Bekannte in England hat er ein völlig überzeugendes Mandarin-Englisch entwickelt, das anschließend durchaus stilprägend war für literarische oder filmische Darstellungen von Chinesen. Ein Beispiel über eine finstere Gestalt mit Mafia-Ambitionen namens Ho:
„(…) Ho was already known in every quarter (…). This distressingly active person made no secret of his methods and intentions; for, upon his arrival, he plainly announced that his object was to make the foundations of benevolence vibrate like the strings of a many-toned lute, and he compared his general progress through the haunts of the charitably-disposed to the passage of a highly-charged firework through an assembly of meditative turtles. (…) ‚Honourable salutations,‘ he would say, ‚but do not entreat this illiterate person to enter the inner room, for he cannot tarry to discuss the movements of the planets or the sublime Emperor’s health. Behold, for half-a-tael of silver you may purchase immunity from his discreditable persistence for seven days (…).'“

Das liest sich schon ein wenig gestelzt. Dennoch ist der Roman literarisch tatsächlich gelungen, spannend, unterhaltsam und sehr gut geeignet, ihn an einem warmen Sommertag im Garten zu lesen. Für zitierfähige Aphorismen ist er dabei kaum zu übertreffen, zum Beispiel: „There are few situations in life that cannot be honourably settled, and without loss of time, either by suicide, a bag of gold, or by thrusting a despised antagonist over the edge of a precipice upon a dark night.“ Oder: „He who has failed three times sets up as an instructor.“ 

In England fand man die Kai Lung-Romane auch gelungen, so dass ich die immerhin 6. Auflage von 1928 lesen konnte. Und immer noch in Druck – trotz Missachtung aus Oxford.

Elizabeth Bowen – Portrait of a Writer, Victoria Glendinning

Elizabeth Bowen, eine der bekanntesten anglo-irischen Schriftstellerinnen, ist heute außerhalb Großbritanniens kaum bekannt. Auch heute noch interessant ist ihr familiärer Hintergrund: geboren 1899 in eine Familie des irischen Landadels, die ihre Wurzeln in England hatte und von dort unter Cromwell ausgewandert war.

Bowen selbst sagte über sich selbst, sie sei die letzte Vertreterin der Anglo-Iren, die noch authentisch vom Leben zwischen den beiden Kulturen berichten können.

Als Schriftstellerin war Bowen sehr erfolgreich. Ihre Romane und Erzählungen werden mit der Literatur Virginia Woolfs und Jane Austens verglichen.

Wie gestaltet Victoria Glendinning die Biografie? Sie erzählt linear, das Innenleben Bowens kommt kaum vor, ihre Bedeutung als Schriftstellerin – trotz des Untertitels – ebenfalls eher am Rande. Dennoch wird die ungewöhnliche Persönlichkeit Bowens deutlich. Dies gelingt Glendinning durch Anekdoten aus dem Alltag der Schriftstellerin. Glendinning veröffentlichte außerdem Biographien über  Edith Sitwell, Vita Sackville-West, Rebecca West, Leonard Woolf, Anthony Trollope, Stamford Raffles und Jonathan Swift. Die vorliegende ist bestimmt nicht ihre beste.

Leser und Leserinnen, die sich für irische Geschichte interessieren, wird der Roman Bowens „The Last September“ gefallen. Hier beschreibt Bowen das Leben der anglo-irischen Oberschicht in Irland, ihre Feste zusammen mit den Offizieren der englischen Truppen, ihr Zusammenleben mit irischen Nachbarn und Bediensteten. Erzählte Zeit ist der Sommer von 1920, in dem der irische Unabhängigkeitskrieg  eskalierte. An seinem Ende waren viele der repräsentativen Herrenhäuser von protestantischen anglo-irischen Familien ausgebrannte Ruinen.

Mein persönliches Lieblingsbuch von Bowen ist „The Little Girls“, eines des letzten Bücher Bowens. Hierin versuchen drei Frauen, alle haben die 50 überschritten, an ihre Kindheit anzuknüpfen. Ein Buch, das „Identität“ und „Erinnerung“ auf ihre Bedeutung abklopft. Als Mädchen haben die drei Hauptfiguren jede einen Gegenstand in eine Kiste gelegt. Nur das Mädchen selbst wußte, was für ein gegenstand dies war. gemeinsam haben sie dann die Kiste vergraben. Was ist mit ihr passiert? Die Klärung dieser Frage treibt die Handlung voran.