The Two of Us – My life with John Thaw. Sheila Hancock

Es ist eine Liebesgeschichte und eine Doppelbiografie zweier Schauspieler. Es ist eine Geschichte vom Erwachsenwerden im England der Nachkriegszeit, vom gesellschaftlichen Aufstieg aus ärmlichen Verhältnissen. Und es ist eine Geschichte von Alkoholismus, Krebserkrankung und Sterben. Es ist eine Geschichte über die Liebe und den Versuch, gemeinsam zu leben. John Thaw war im ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert einer der beliebtesten Schauspieler Englands. Für viele bekannt durch seine 13jährige Darstellung des Inspektor Morse, einer Kriminal-Serie nach Vorlagen und unter Mitarbeit von Colin Dexter. Diese gibt es auch in mehreren ausgezeichneten DVD-Serien unter dem Titel „Morse“.

„Even though he (John Thaw) had left school, his teachers rode to his rescue, believing that acting was the path John should persue. His old headmaster … moved heaven and earth … It seemed unlikely that a boy from a council flat in Burnage, with an accent you could cut with a knife, could enter those hallowed halls (der Schauspielschule RADA).“

Hancock, Thaws zweite Frau, beschreibt in einer parallelen Erzählebene die Krebserkrankung und den Tod ihres Mannes sowie ihre Anstrengungen nach Trauer und Verzweiflung neu das Leben zu akzeptieren: „I have really lived this grief. I have been totally centred on my pain. That´s some sort of achievement. Most of my life has been postponing feeling or thinking what comes next. … Shame I had to learn though pain rather than pleasure.“

Gelesen in der Ausgabe von 2004.image

Empire: What ruling the world did to the British. Jeremy Paxman

imagePaxman beschreibt in seinem mitreißenden, journalistisch geschriebenen Buch, welchen Einfluss das „Empire“ auf die Briten und deren Selbstverständnis hatte und hat. „Without understanding how we looked at the rest of the world, we cannot really understand ourselves“, so Paxman zu seinem aufklärerischen Ansatz.

„(…) life in the empire promised freedom of one sort or another – from class, from creditors, from penury, from religious oppression. Living abroad offered a better life, at lower cost.“ Wie sich dies auf die eroberten Gebiete auswirkte, behandelt das Buch chronologisch. Im Fokus stehen die Regionen Karibik, Amerika, China, Indien und Asien sowie Palästina.

Paxman vermittelt sehr klar die wichtigsten Entwicklungen einerseits, ergänzt diese andererseits durch Anekdoten zu den wichtigsten Protagonisten:

„Gordon made his way up the Nile towards Khartoum in a buzz of thoughts, counter-thoughts, flashes of inspiration, second thoughts and fourth thoughts which he fired back to E. Baring in Cairo by telegraph, sometimes at the rate of  twenty or thirty a day (…) Baring soon decided that the only way to deal with Gordon´s dispatches was to let them pile up, and then to settle down in the evening and attempt to make out what was going on in his head.“

Zitiert nach der Ausgabe von 2011.

Darwin: die besten Bücher und DVDs, Literaturliste

Innerhalb der Wissenschaftsgeschichte der Evolution spielen Charles Darwin und Alfred Russel Wallace eine entscheidende Rolle. In einer Zusammenstellung der interessantesten Literatur zu beiden Entdeckern finden sich Bücher und Filme zur Entdeckungsgeschichte, Biografien und vor allem Veröffentlichungen, die nachvollziehbar machen, in welchen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Kontext die Evolutionstheorie entwickelt wurde: Literatur und Filme

Zerrissene Fäden – Die Zerstörung der jüdischen Modeindustrie in Deutschland und Österreich. Roberta S. Kremer

Wer an die Goldenen Zwanziger Jahre denkt, hat Cocktails, Autos und Lebenslust als Assoziationen. Dazu gehört auch elegante Kleidung. Wer an die Nachkriegszeit denkt, denkt auch an den Mangel an Kleidung. Dieses Buch beschreibt, wie die fantastische Mode der 20er auch ein Verdienst der vielen jüdischen Modemacher und Designer in Deutschland und Österreich war. Eine wichtige Rolle bei der Ausprägung des typischen Stils spielten auch die großen Kaufhäuser, die häufig im Besitz jüdischer Geschäftsleute waren. Während des Nationalsozialismus wurde die Mode-Branche systematisch „arisiert“. Die proklamierte Forderung der Nationalsozialisten war, dass Deutsche nur Kleidung tragen sollten, die ausschließlich von Deutschen gefertigt wurde. Der Effekt: jüdische Unternehmer wurden enteignet, deutsche Geschäftsleute übernahmen und ließen dann häufig ihre Waren durch jüdische Gefangene in  Konzentrationslagern nähen.

Zerrissene Fäden geht auf die Suche nach den jüdischen Protagonisten der deutschen und österreichischen Mode in den 1920er und 30er Jahren. In kurzen, klar umrissenen Kapiteln zeichnet das Buch die Geschichte von Juden und ihrem Beitrag zur Mode nach. Der Text ist packend geschrieben; jedes Kapitel ist mit vielen Fotos und Illustrationen angereichert. Ausgabe von 2013.

Tea in the East. Carole Manchester

Ein tolles Buch für Tee-Trinker und Menschen, die gerne in Länder des Teeanbaus reisen. Schöne Fotos, gute Hintergrund-Informationen sowie Rezepte und Einkaufshinweise. Thematische Schwerpunkte sind China, Karawanenroute, Japan, Indien und Sri Lanka. Erstausgabe 1996.image

Spirals in Time – The Secret Life and Curious Afterlife of Seashells. Helen Scales

imageGestern habe ich dieses schöne Buch beendet. Muschelschalen sind die Behausungen einer der ältesten und erfolgreichsten Tierart der Welt. In 10 Kapiteln nimmt die Meeresbiologin ihre Leser mit auf eine Reise in deren Reich. Von „Meet the shell-makers“ zu „How to build a shell“ erzählt sie seltsame und interessante Geschichten über Muscheln, Meeres-Schnecken und Kraken. Sie bringt das oft erstaunliche Leben dieser Tiere näher, ihre Bedeutung für das Leben im Meer und ihre zunehmende Bedrohung.

„A sea butterfly flutters past. Its spiralling shell is translucent and colourless as though it were sculpted from glass. Inside, I see a cluster of cells twitching and contracting as its heart beats. Little wings stick out from the shell´s flared opening and flicker in energetic bursts, propelling it through the water in circles. It stops now and then as if to catch  ist breath, and I hold my own as I quietly watch, partly so as not to disturb it but also because this is the first sea butterfly I´ve seen and I can´t quite believe my eyes.“

Das Buch hat erzählerische Passagen, die sehr gut lesbar sind, sowie eher komplizierte, wissenschaftliche Teile, deren Englisch eher anspruchsvoll ist. Es enthält ein Glossar und Hinweise für ein verantwortungsvolles Sammeln von Muschelschalen.

Gelesen habe ich die Erstausgabe im Taschenbuch von 2015.

A Season in Hell. Arthur Rimbaud

imageGestern habe ich im Zug die Gedichte noch einmal gelesen…

It has been found again.

What? – Eternity.

It is the sea fled away

with the sun.

Sentinel Soul,

Let us whisper the confession

Of the night full of nothingness

And the day on fire. (Aus Eternity)

Jean Nicolas Arthur Rimbaud (1854-1891) gilt heute als einer der wichtigsten französischen Lyriker. Obwohl ich ihn früher bereits in deutscher und nun englischer Übersetzung gelesen habe, sagt er mir nicht viel. Vielleicht entgeht mir das revolutionär Moderne seiner Sprache, weil ich das französische Original nicht lesen kann. Genutzt habe ich die Miniausgabe „A Season in Hell, Illuminations, Poems, Last Lines“.

Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf. Erich Beyreuther

imageBiografie über den Gründer der Herrnhuter Bewegung. Interessant ist der größere Kontext der protestantischen Reformbewegungen wie des Pietismus im 18. Jh.. Graf von Zinzendorf (1700-1760) ist eine spannende Persönlichkeit: Reformator, Weltreisender, Dorfgründer, Frauen-Unterstützer. Mit seiner Auffassung von auch weiblichen Anteilen Gottes und vom „Mutteramt des Heiligen Geistes“ ent-patriarchalisierte  er den christlichen Gottesbegriff. Er sprach im Zusammenhang mit der Dreifaltigkeit von der Mütterlichkeit Gottes. Zinzendorf förderte ökumenische Anstrengungen. Innerhalb der Gemeinde erhielten auch Frauen verantwortlichen Aufgaben. Ihre Titel wurden in femininer Form verwendet; zum Beispiel „Ältestinnen“. Die Herrnhuter Gemeinde hat die Beschränkung von Frauen auf Haus und Familie relativiert.

Das Buch hat eine ausgezeichnete Einleitung von Peter Zimmerling. Der eigentliche Text ist veraltet und oft unfreiwillig komisch: „Alles war an diesem Reichsgrafen aus uraltem und bewährtem Geschlecht unbürgerlich und genial gewesen bis in die Sorglosigkeit (…).“ Formulierungen wie „Negersklaven“ hätten bei der Neuherausgabe ersetzt werden müssen. Ich habe das Buch in einer Ausgabe des Brunnen Verlag Gießen von 2000 gelesen.

The Invention of Science: A New History of the Scientific Revolution. David Wootton

Unter der Überschrift „Understanding the universe – An intellectual and cultural Revolution gave birth to modern science“ hat der Economist eine ausgezeichnete Buchbesprechung gebracht: http://www.economist.com/news/books-and-arts/21676740-intellectual-and-cultural-revolution-gave-birth-modern-science-understanding . Das Buch wird im Dezember 2015 erscheinen.