Sweets – A History of Temptation. Tim Richardson

“Sweets – A History of Temptation” von Tim Richardson ist die Geschichte der Leidenschaft für Süßigkeiten. Der Autor zeichnet die historische Entwicklung aller wesentlichen süßen Sünden nach, bietet die Übersicht regionaler Spezialitäten der Welt und beschreibt seine eigenen Eskapaden auf der Suche nach den besten Leckereien der Welt.

Sweets: A History Of Temptation

 

„You don´t exactly eat a sweet. A sweet is not food. You put it into your mouth and it kind of happens to you. Indeed, the sweetie is eating you, through the good offices of a marauding tribe of dental caries. And a sweet can also have its revenge by radically altering your appearance – turning your mouth black or red or green or yellow, just in time for that job interview or first date.”

Süße Meilensteine der Geschichte

Die Hauptkapitel von „Sweets“ behandeln die Rolle von Süßem in verschiedenen historischen Phasen. Wie Kakao von Europäern in Südamerika gekostet wurde und dann zur lukrativen Handelsware mutierte. Oder erklärt die biochemischen Grundlagen von Süßigkeiten in „Heart of Sweetness“. Oder beschreibt in einem anderen Kapitel wie Zucker in Europa lange Zeit als medizinisch wirksam verstanden und angewendet wurde. Diese Kapitel bringen die Entwicklung der Süßwaren-Industrie ebenso auf den Punkt wie die Veränderung gesellschaftlicher Haltungen gegenüber Süßem in „Bad Candy“.

Nine stories behind the great British sweets of your childhood ...

Die besten Süßigkeiten der Welt

Zwischenkapitel sind einzelnen Süßigkeiten gewidmet. In ihnen mischt Richardson Beschreibungen zu Konsistenz mit historischen sowie gesellschaftlichen Details. Sie sind diesen Genüssen gewidmet: Turkish Delights, Lakritz, Bonbons, Marzipan, Baklava, Marshmellows, Manna und Kaugummi. Aus dem Kapitel „What is it about chocolate?“:

„Chocolate is not like any other sweet. Most confectionery buoys up the spirit and makes us smile: its sweetness is innocent, and our pleasure is, too. With chocolate, however, it is only to easy to form a complicated emotional attachment. This unlikely-looking brown substance, which tastes so wonderful, can excite high emotion and lasting dependency.”

Sweet shop favourite born in Lancashire - Lancashire Evening Post

Ungenossene Genüsse: The Himalayan Gobstopper

In einer atemlosen Kurzzsammenfassung erklärt der Autor am Ende des Buchs die weltweit besten Süßigkeiten in allen Ländern bzw. Regionen. Dies ist der mühsamste Teil des Buchs und liest sich streckenweise wie eine aneinander Reihung von Lexikon-Einträgen. Als Leserin war ich erleichtert, dass Tim Richardson einige Süßigkeiten nicht gekostet und somit nicht recherchiert und beschrieben hat…

Ida. Katharina Adler

“Ida” von Katherina Adler ist in diesem Herbst herausgekommen. In dieser Roman-Biografie geht es um eine junge Frau, die Sigmund Freud „um die Befriedigung (brachte), sie weit gründlicher von ihrem Leiden zu befreien.“

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Gut lesbar plus gewichtiger Kontext

Der Roman verbindet eine schön lesbare Geschichte mit gewichtigen Themen. In der Familiengeschichte der Hauptfigur gibt es Ehebruch und versuchten Kindesmissbrauch. Ida wehrt sich dagegen, dass Freud all ihre Beschwerden auf sexuelle Wunschträume zurückführt. Der Roman folgt von seiner Hauptfigur durch ihr Leben, gibt immer wieder Rückblenden. Spannend bleibt er durch den inneren Monolog Idas, der sie als oft unliebenswürdige, im Alter bittere Frau zeigt.

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Historische Fakten

Der Roman basiert auf historischen Fakten. Das jüdische Mädchen Ida, Patientin „Dora“, wurde von ihrem Vater zur Behandlung verschiedener Beschwerden zu Sigmund Freud gebracht. Dieser diagnostizierte eine „kleine Hysterie“. Freud verwendete mit Sprechkur und Traumdeutung neue Behandlungsmethoden. Sie brach eigenständig nach drei Monaten ihre Behandlung ab. Die Autorin Katharina Adler ist die Urenkelin von Ida Adler.

Ida war Patientin Sigmund Freuds

Ida war laut Freuds Akten eine widerspenstige Patientin. Im Roman „Ida“ wird dies ebenso erzählt. Das interessante Kunststück der Autorin besteht darin, uns als Leser und Leserin mit der Perspektive Idas allein zu lassen. Wir erfahren nicht, ob es für Ida besser gewesen wäre, sich behandeln zu lassen, oder ob die entscheidende Erfahrung in Idas Leben genau dies eine war: die Behandlung abzubrechen. Der Erzähler weiß nicht mehr als Ida und wir Lesenden auch nicht.

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Diagnose Hysterie

Die Diagnose Hysterie war im ausgehenden 19, Jahrhundert nicht ungewöhnlich für junge Frauen. Freud hatte zusammen mit Josef Breuer 1895 „Studien über Hysterie“ als Aufsatzsammlung veröffentlicht. Er entwickelte auf dieser Basis ein Konzept, das unbewusste Prozesse als hysterische Vorgänge definierte. Er meinte, der größte Teil neurotischer Erkrankungen sei auf sexuelle Erfahrungen zurückzuführen. Traditionell wurde in der Medizin die Hysterie als vielfältige Sammlung unterschiedlichster Beschwerden verstanden, die keine organische Grundlage haben. Problematisch ist der Begriff „Hysterie“, da er geschlechtsspezifisch verwendet wurde: Die Hysterie wurde als körperliche und psychische Störung verstanden, die von einer Erkrankung der Gebärmutter ausging.

Insgesamt ist „Ida“ ein gut lesbarer Roman, der seine gewichtigen Themen mit leichter Hand streift. Mehr zum Hintergrund…

All the Dogs of My Life. Elisabeth von Arnim

“All the Dogs of My Life” ist eine Art Autobiografie einer Frau, die nicht Elisabeth hieß. Als das Buch erschien, wurde statt eines Namens „By the author of Elisabeth and her German Garden“ angegeben.

All the Dogs of My Life

„I would like, to begin with, to say that though parents, husbands, children, lovers and friends are all very well, they are not dogs. (…) Once (dogs) love, they love steadily, unchangingly, till their last breath. That is how I like to be loved. Therefore I will write of dogs. ”

Lebensstationen anhand von 14 Hunden

Das Buch, erschienen 1936 , erzählt die Lebensgeschichte der Erzählerin anhand der Hunde, die sie auf ihrem Lebensweg begleiteten. Den ersten Hund erhielt sie im Alter von fünf Jahren vom Verlobten ihrer älteren Schwester, musste ihn jedoch bald wieder abgeben. Die letzten Hunde umgaben sie in ihrem amerikanischen Exil vor Ausbruch des 2. Weltkriegs.

„In the afternoons, having come back to the house much more slowly than we left it, Cornelia (eine Dackel-Dame) and I drove out. We took the air in an open basketwork carriage with scarlet wheels, known as the Viersitzer and drawn by a pair of roughcoated, stout horses who looked, I thought, very like carthorses. It was driven by the ancient family coachman, and in winter he was dressed like a penwiper.”

Heiter bis ernst

Hunde begleiteten die Erzählerin durch die Jugend, durch zwei schwierige Ehen, durch einen Weltkrieg und die Vorboten eines zweiten, in unterschiedliche Länder und durch die Anforderungen des Alters. Von den 14 Hunden ihres Lebens waren fast alle freundlich, einige intelligent, viele charmant, ein paar dumm und einer aggressiv.

„There was no doubt about it: she did snuggle, and she was the first of my dogs to do so. Great Danes, in the nature of things, can´t snuggle, and all the others – except Bijou, who does not count, had been grown up. Of couse I was enchanted.”

Diese Hunde stehen im Fokus, so werden schmerzliche, persönliche Erfahrungen der Erzählerin relativiert. Das Buch ist im Tenor äußerst vergnüglich, jedoch nicht spaßig. Schwierige Lebensentscheidungen und der Tod sind ebenfalls Themen des Buchs. Diese werden nicht überzuckert, nur aus einer anderen Perspektive erzählt.

Nicht „Elisabeth“: Gräfin und Countess

Elisabeth von Arnim ist eine britische Schriftstellerin, die 1866 als Mary Annette Beauchamp in Australien geboren wurde. Sie war eine der erfolgreichsten Autorinnen ihrer Zeit. Durch ihre erste Ehe wurde sie zur Gräfin von Arnim-Schlagenthin, durch die zweite zur Countess Russell. „Elisabeth“ wurde durch den Bestseller „Elisabeth and her German Garden“ zu ihrem adoptierten Vornamen. Sie starb 1941 in Charleston, USA. Sehr empfehlenswert ist die schon etwas ältere Biografie von Karen Usborne „Elisabeth – The Author of Elisabeth and her German Garden“.

Von Arnims Bücher sind heute noch amüsant und gut lesbar. Sie alle sind ins Deutsche übersetzt.

 

Whisky für drei alte Damen oder Wer geht den hier am Stock? Minna Lindgren

Whisky für drei alte Damen oder Wer geht den hier am Stock? von Minna Lindgren

Whisky für drei alte Damen oder Wer geht hier am Stock?: Roman (Die Abendhain Romane, Band 2)

Der Titel ist einfach dämlich; der Untertitel auch. Die Übersetzung aus dem Finnischen offenbar auch.

Gibt es dennoch Gründe, das Buch zu lesen? Ja, die gibt es.

Gründe das Buch zu lesen

Es gibt mehrere Gründe, „Whisky für drei alte Damen“ zu lesen:

  1. Das Buch ist ein Senioren-Roman
  2. Es ist ohne Kitsch
  3. Es behandelt all die relevanten Themen des hohen Alters.

Themen des Buchs

Thematisiert werden einerseits organisatorische Fragen wie zum Beispiel, welche Möbel kommen mit ins Betreute Wohnen, ist der mitgenommene Schmuck sicher, wie kommt man vom Wohnheim in die Innenstadt, wer kommt zu Besuch, wo nimmt man Nahrung zu sich, wie können Tagesabläufe im hohen Alter aussehen.

Andererseits kommen auch die schwierigen Themen des Alters vor, und dies in nicht versüßter Form: Da gibt es die alte Dame, die ihren Mann darin unterstützen möchte, zu sterben. Vergesslichkeiten, Demenz und Krankheiten nehmen den Protagonisten die Spielräume. Fehlende Kraft, sich anzuziehen, aber auch Lust und Liebe im Alter kommen vor. Und auch, dass es keinen Grund mehr gibt, vormittags keinen Rotwein zu trinken.

Die Handlung von „Whisky für drei alte Damen“

Drei Damen und der im Altersheim angeheiratete Ehemann, Ex-Botschafter, fliehen aus ihrem Wohnheim, während dort umfangreich modernisiert wird. Sie ziehen gemeinsam in eine Wohnung und leben nun in einer WG.

„Hier sitzen wir ganz entspannt, umgeben von Toilettenbrillen. Zum Glück können die nicht noch erzählen, was sie alles gesehen haben. Ich denke, ich kann meine Brille erkennen. Bei mir war nämlich mal der Deckel zerbrochen, und ich habe einen neuen gekauft, nachdem die Heimleiterin mir erklärt hatte, dass ich einen schriftliche Bericht verfassen und einen Antrag an die Stiftung Pflege und Liebe für Senioren stellen müsse. Da ich keine Lust hatte, auf dieses Almosen zu warten, habe ich mir diesen lustigen, bunten ausgesucht.“

Es ist eine leichte Lektüre, ja. Aber nicht doof, wie der Titel suggeriert.

 

Bilderbuch der Wüste – Maria Reiche und die Bodenzeichnungen von Nasca. Dietrich Schulze und Viola Zetzsche

Die Biografie ist lesenswert, da die Person Maria Reiche so interessant ist. Der Erzählstil ist sehr konventionell, chronologischer Bericht, wenig zeitgenössischer Kontext.

Von Dresden nach Peru

„Maria Reiche nutzte für ihre Arbeit die Morgenstunden kurz nach Sonnenaufgang. Licht und Schatten der schräg einfallenden Sonnenstrahlen zeichneten scharfe Konturen auf den Boden, die in den Mittagsstunden in hell gleißendem Grau verschwammen – für die Augen unangenehm und äußerst ermüdend.“

Reiche wurde 1903 in Dresden geboren, starb 1998 in Peru. Sie war akademisch ausgebildet und hatte ein großes Talent für Mathematik und Geometrie. Sie kam aus einer angesehenen bürgerlichen Familie. Den Sinn ihres Lebens hatte Maria Reiche gefunden, nachdem sie aus Deutschland fortgegangen war, in Peru heimisch wurde und ihr Leben der Erforschung sowie dem Erhalt der Nasca-Figuren mit Leidenschaft widmete. Hierfür nahm sie lebenslange Armut in Kauf.

Figuren in der Wüste

Brief an die Schwester vom Mai 1971 Maria Reiche: „ Ich habe nun den endgültigen Beweis für den Schlüssel zu Entzifferung der Pampa. Bei zwei Figuren habe ich die Maßeinheit, den Fuß, bis auf 2 Dezimale bestimmen können. (…) Für jede Figur muss ich die Maßeinheit erst feststellen, da sie von einer zur anderen variiert, aber dieselbe ist in einer Figur. (…) Die Bedeutung der ganzen Sache liegt darin, dass man mit einem Fuß einen Tag darstellte und so lange Kalenderzyklen in Form von Figuren aufgezeichnet hat.“

Artefakte der Nasca – keine Landebahnen Außerirdischer

Die „Bilder“ in der Wüste, eine Art Geoglyphen sind Artefakte der Nasca. Diese Bevölkerungsgruppe hat in der Wüste Perus auf über 250 Quadratkilometern riesige Figuren entwickelt. Sie sind nur aus der Höhe erkennbar und bestehen aus riesigen Pflanzen und Tierfiguren, Netzwerken von Linien und geometrischen Formen. Auf der Basis von Grabbeigaben der Umgebung werden die Figuren auf die Zeit von 800 v. Chr. bis 600 n. Chr. datiert.

Reiche hat deren Zerstörung verhindert; heute sind sie UNESCO-Weltkulturerbe.

The Lady in the Van. Alan Bennett

„The Lady in the Van“ von Alan Bennett ist die Geschichte über eine obdachlose Frau, die mehrere Jahre auf dem Grundstück Bennetts in ihrem schrottreifen Auto lebte. Sie beruht auf wahren Begebenheiten, und der schmale Band besteht aus Auszügen des Tagebuchs von Alan Bennett.

The Lady in the Van

Miss Shepherd, die dickköpfige, exzentrische Obdachlose ist hierbei alles andere als eine freundliche Mitbewohnerin. Dennoch lebte sie nach der initialen Einladung Bennetts 15 Jahre lang bis zu ihrem Tod auf seinem Grundstück in London.

The Lady in the Van: A BBC Radio 4 adaptation

Wunderbar ist der lakonische Erzählstil; alles hat hierin Platz: die Wut über die Mitbewohnerin, das Mitleid mit ihr, das Amüsement. Distanz und Nähe. Letztlich der immerwährende Versuch, Antworten auf die Frage zu finden, welche Haltung gegenüber einem obdachlosen Menschen angemessen ist. Alle Antwortversuche beinhalten dabei implizit auch die Frage nach der Angemessenheit der Kriterien. Kleidung, Ordnungsliebe, Sauberkeit, Freundlichkeit, Unterhaltungswert… welche ziehen wir heran? Und welche Meßskala?

The Lady in the Van

„June 1977. On this day of the Jubilee, Miss S. has stuck a paper Union Jack in the cracked back-window of the van. It is the only one in the Crescent. Yesterday she was wearing a headscarf and pinned across the front of it a blue Spontex sponge fastened at each side with a large safety pin, the sponge meant to form some kind of peak against the (very watery) sun. It looked like a favour worn by a medieval knight, or a fillet to ward off evil spirits. Still, it was better than last week’s effort, an Afrika Korps cap from Lawrence Corner: Miss Shepherd – Desert Fox.”

The Lady in the Van. Movie Tie-In: And Other Stories

Das Buch wurde 1989 veröffentlicht, dann für die Bühne umgeschrieben und 1999 als Theater-Stück uraufgeführt. Theaterstück wie die Film-Adaption zeig(t)en die sensationelle Maggie Smith in der Rolle von Miss Shepherd.

The Landscape of Ideas. Patrick Nuttgens

“The Landscape of Ideas” von Patick Nuttgens ist ein Buch über den “Sinn” der wichtigsten Architektur-Stile.

Landscape of Ideas

Um es vorneweg zu sagen: das Buch ist alt. Erschienen 1972. Und gleich noch etwas: ich habe drei Anläufe gebraucht, dieses Buch bis zum Ende zu lesen. Obwohl es nur 109 Seiten besitzt und voll schöner Illustrationen ist. Wer nun jedoch meint, es sei ein schlechtes Buch, liegt falsch.

Der Ansatz ist mutig

In kurzen Kapiteln von 10 bis 20 Seiten Länge bringt Nuttgens auf den Punkt, welchen Grund, welche Ideale, welche Bedeutung die wichtigsten Architektur-Stile Europas haben. Das ist ein Ansatz, der für einen platten Taschenbuch-Ratgeber passen würde; im Sinne von „Was Sie über die Renaissance wissen sollten“. Aber platt ist der Autor ganz und gar nicht. Deshalb packt er in 10 Seiten so viele Ideen hinein, dass man den Impuls verspürt, nach jedem Absatz erst einmal gründlich zu denken. Keine schlechte Leistung! Die Sprache des Autors allerdings leistet ihren ganz eigenen Beitrag zu mangelnder Verständlichkeit…

„Essentially there were two contrasts – the contrast of enclosure and open space, and the contrast of natural and manmade. We can now go on to see how they can be seized upon and exploited to make a deliberately sacred landscape. It can be created by the manipulation of such inevitable contrasts (…). One such was very deliberate: the contrast of light and dark. (…) The environment created by the Greeks of the Hellenic period can be said to express an idea; (…) because, they developed an eye for combinations of landscape features as expressive of particular holiness. They went further. They placed in that landscape temples and subsidiary buildings so as to complement, or sometimes contradict, the “meaning that was felt in the land”.”

Inhalt

Die Kapitel thematisieren die Zeit von der Prähistorie bis in die 1960er Jahre. Die Kapitel hierzu befassen sich mit

  • Prähistorie: The functional environment
  • Griechische Antike: The landscape oft the gods
  • Gothik: The metaphysics of light
  • Renaissance und Barock: Calculated nature
  • England um 1900: The common or garden city
  • 1960er Jahre: The man in the clover leaf

Ausblick auf die Zukunft aus Perspektive der 1960er

Das Buch ist heute noch lesenswert, da es kluge, intellektuell anspruchsvolle Ideen formuliert und weiterhin Hypothesen zur künftigen Entwicklung enthält, die sich im Rückblick vielleicht als weise erwiesen haben. Interessant ist der Nachruft zu Nuttgens im Telgraph.

„Here then is a world which is man-made, dominated by technology and made possible by power. It is characterized by movement and flow, by the need for technical information and a know-how recognized by society, by conformity to the patterns that that society demands. The person dependent upon or subject to all these forces is urban or technopolitan man, herded into privacy and isolation, hopelessly dwarfed by the huge scale that technology requires. He is the man in the clover leaf (Kleeblatt-Autobahn-Kreuz) and he contrasts with the man in the fig leaf, the man living in nature and simplicity with God around the corner.”

Vivienne Westwood. Vivienne Westwood & Ian Kelly

“Vivienne Westwood” ist eine klassische Biografie, die nachzeichnet, wie Vivienne Westwood zu einer der berühmtesten und berüchtigtsten Mode-Designerinnen der Welt wurde. Eigentlich wollte ich das Buch, als es vor vier Jahren erschien, nicht kaufen, weil mir der Preis zu hoch erschien. Eigentlich hatte ich gedacht, dass dies wieder einmal eine jener unerträglichen Ergüsse über eine bekannte Person sein würde. Billig gemacht, flach, vom bekannten Namen zehrend. War alles falsch…

Vivienne Westwood - Vivienne Westwood, Ian Kelly

Das Buch ist gut gemacht, inhaltlich interessant, da es die Hauptakteurin sowie die Modeszene der vergangenen Jahrzehnte darstellt. Kurzweilig lesbar ist es auch. Deshalb bin ich froh, es mit vier Jahren Verspätung nun doch gekauft zu haben.

Die Miterfinderin von Punk

Punk im London der 1970er Jahre entstand durch die Kombination von Kleidung und Musik. Das Zusammenwirken schuf Punk. Und Westwood war DIE Designerin des Punk. Die verschiedenen Namen ihres Ladens in der King’s Road 430 bringen auf den Punkt, worum es ging:

  • Let It Rock
  • Too Fast to Live, Too Young to Die
  • SEX
  • Seditionaries

“”Fashion is alive”, says Vivienne, “because it has to relate to the limited; the limits that are the human body”. (…) But clothes and fashion, even at their angriest and most polemic, were always bound to loop back to pleasure and to sensuality: as Vivienne says, no one enjoys looking crap or looking at crap. The shocking in fashion had to be shocking and attractive to be worn.”

Die Aktivistin

Für mich war es spannend zu erfahren, dass Westwood sich heute mit über 70 Jahren für den Erhalt der Arktis und der Umwelt einsetzt. Zu diesem Zweck verwendet sie große Summen ihres Unternehmenserfolgs, nutzt aber auch das Engagement berühmter Models für ihre Kampagnen. Diesem Thema widmet sich das letzte Buchkapitel.

„Vivienne cares a lot about the planet, but she cares a lot about human rights as well (…) She’s looking to the future.” So Shami Chakrabarti von Liberty.

Biografie und Autobiografie in einem

Das Buch kombiniert biografische und autobiografische Textpassagen: Ian Kelly beschreibt und fasst Wesentliches zusammen, dazwischen kommen Statements von Westwood. Gespickt sind die insgesamt fast 450 Seiten mit vielen Abbildungen und Kommentaren von Freunden sowie Kollegen aus der Modebranche. Ein schönes Buch. Auch für diejenigen, die tot umfallen würden, sollten sie – zwangsweise – zu einem gesellschaftlichen Anlass in einem Vivien Westwood Outfit gehen…

Outsiders – Five women writers who changed the world. Lyndall Gordon

In “Outsiders” von Lyndall Gordon geht es um fünf englischsprachige Autorinnen aus zwei Jahrhunderten, die alle auf höchst individuelle Weise dazu kamen, sich zu äußern. Eine Stimme finden, öffentlich zu sprechen, raus aus dem Privaten: darum geht es.

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Zunächst war ich skeptisch, ob wohl derart unterschiedliche Autorinnen genügend Gemeinsamkeiten haben würden, die ihre Zusammenschau in einem Buch rechtfertigen würde. Die Autorinnen, die Gordon sich vornimmt, sind:

  • Mary Shelley
  • Emily Bronte
  • George Eliot
  • Olive Schreiner
  • Virginia Woolf.

Bildergebnis für Outsiders” von Lyndall Gordon

Raus aus der Privatsphäre

Erstaunlicherweise funktioniert diese Zusammenstellung tatsächlich: Alle fünf Frauen sind unter Rahmenbedingungen aufgewachsen, die es unwahrscheinlich machten, dass diese Mädchen einen anderen Weg gehen würden, als Ehefrauen und Mütter zu werden, die als private Personen ihr Leben verbringen würden. Dass sie in die Öffentlichkeit gehen würden mit Themen, deren Wichtigkeit für sie eigene Gedanken, eine Ausdrucksform für diese, Engagement mit sich bringen würde, war die große Leistung, die die Lebensentwürfe dieser fünf Frauen verbindet.

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„As writers, they made the outsider identity their own and wrote their novels of genius. They came, they saw and left us changed.”

Eine eigene Stimme finden

Die Wohlanständigkeit einer Frau war über die Jahrhunderte wesentlich für ihre Sicherheit innerhalb des gesellschaftlichen Kontexts. Jede der fünf Autorinnen verlor ihren guten Ruf. „Outsiders“ skizziert die unterschiedlichen Wege, wie dies geschah und zu welchem Zweck. Hierbei zeigt Gordon die damit verbundenen Belastungen ebenso auf wie die sich eröffnenden Perspektiven. Auf ihre jeweils ganz unterschiedliche Art, thematisieren sie alle häusliche und System-bedingte Gewalt und sprechen sich vehement gegen diese aus.

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Die Öffentlichkeit ansprechen

Gordon begleitet die Autorinnen dabei, wie sie in den Rollen von Prodigy (Mary Shelley),Visionary (Emily Bronte), Outlaw (Georg Eliot), Orator (Olive Schreiner) und Explorer (Virginia Woolf) ihre Botschaften an die Öffentlichkeit brachten.

„Outsiders“ besteht aus fünf Kapiteln, je eines zu den fünf Autorinnen. Davor leitet ein Vorwort in das Buch ein, einNachwort fasst Lyndall Gordons Analysen unter der Überschrift „The Outsiders Society“ zusammen.

„We have long known the greatness of these five as individual writers, but here we have looked at them collectively. (…) These outsiders do not make terms with our violent world; they do not advance themselves by imitation of the empowered. (…) these voices say no to arms and patriotism. “For”, the outsider will say, “in fact, as a woman, I have no country. As a woman I want no country. As a woman my country is the whole world.””

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Ich kann das Buch allen Interessierten an englischer Literatur sehr empfehlen. Weitere Bücher von Lyndall Gordon, die wir in Buch-und-Sofa bereits besprochen haben.

Jane’s Fame – How Jane Austen Conquered the World. Claire Harman

Jane’s Fame von Claire Harman erzählt, wie es kommen konnte, dass Jane Austen unmittelbar nach ihrem Tod als ausschließlich private Person angesehen wurde und dann doch zu einer der berühmtesten und bewundertsten Autoren in englischer Sprache wurde. Das Buch erzählt die faszinierende Geschichte darüber, wie das passieren konnte.

Die Verwandten zogen einen Schlussstrich

„What is all this about Jane Austen? What is there IN her? What is it all about?“ Joseph Conrad zu H. G. Wells 1901.

„Jane Austen! I LOVE Jane Austen!“ B. B. King.

Als Jane Austen starb, waren drei ihrer Romane veröffentlicht worden: „Pride and Prejudice“, „Sense and Sensibility“ und „Mansfield Park“. Die Veröffentlichungen wurden recht positiv aufgenommen, haben ihrer Autorin einen kleinen Verdienst gebracht. Sie haben sie nicht weltberühmt gemacht und haben sie nicht reich werden lassen. Das Frühwerk, „Northanger Abbey“ und „Persuasion“ waren zur Zeit ihres Todes unveröffentlicht. Nach Austens Tod gingen ihre Verwandten davon aus, dass das milde Interesse an Jane Austen nun abebben würde und sie – ganz angemessen – von der Öffentlichkeit nun vergessen werden würde.

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Die Öffentlichkeit wollte Jane Austen

Das kam anders: Ihre Werke wurden in Billig-Ausgaben wieder veröffentlicht, Biografien gefordert und geschrieben, Stätten ihres Lebens besucht… und vor allem gab es immer wieder einflussreiche Männer, die Jane Austen bewunderten. Sie schrieben Texte über sie, sammelten Erinnerungsstücke, setzen Austen-Werke auf Listen wichtigster englischer Autoren und empfahlen die Werke von Austen Kriegsverletzten zur Lektüre. Die Werke von Jane Austen wurden zu DER Lektüre für den Schützengraben während des 1. Weltkriegs.

Die Großartigkeit, die nicht offensichtlich ist

Harman zeichnet in „Jane’s Fame“ die Rezeptionsgeschichte Jane Austens nach. Zwei unterschiedliche Wertungen ihres Werks stehen sich dabei durch die Jahrzehnte gegenüber: Eine Gruppe von Rezipienten fand das Werk nicht besonders künstlerisch; es handelte ja nur von den üblichen, kleinen Dingen des Alltags; aufgeschrieben, ja nacherzählt von einer unbedeutenden Frau vom Land, unheroisch, uninteressant. Die andere Fraktion begeisterte sich für innovative Erzählformen, subtile Sprache, ausgefeilte Ironie; und las Austen immer wieder. Sie hoben Jane Austen in den literarischen Himmel zu Shakespeare. Ein etwas schwaches Gedicht von Rudyard Kipling – bekennender Janeite – sagt dies so:

Jane went to Paradise:

That was only fair.

Good Sir Walter followed her,

And armed her up the stair.

Henry and Tobias,

And Miguel of Spain

Stood with Shakespeare at the top

To welcome Jane.

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Wir können nicht genug von ihr bekommen

Heute gehört der Name „Jane Austen“ zu den weltweit durch alle Gesellschaftsschichten bekanntesten. Ihre Romane werden gelesen, Filme mit Leidenschaft und unter Tränen immer wieder geschaut. Es werden weitere Filme gefordert; mit Nachthemden á la Austen, Teegeschirr, Postkarten usw. bemüht sich die Vergangenheitsindustrie die Sehnsüchte der Öffentlichkeit zu stillen. Bücher schreiben Austen-Plots fort, Comics erzählen sie nach… „Jane Austen“ ist zum Seelenbalsam geworden.

„The significance of Jane Austen is so personal and so universal, so intimately connected with our sense of ourselves and our whole society, that it is impossible to imagine a time when she or her works could have delighted us long enough.”