Distilling the frenzy: writing the history of one’s own times. Peter Hennessy

Peter Hennessy, oder  in seiner glorioseren Form: the Right Honourable, the Lord Hennessy of Nympsfield, FBA, zählt zu den bekanntesten und meistpublizierenden Journalisten und Professoren für zeitgenössische britische Geschichte in Großbritannien.

Auf den ersten Blick passt Hennessy in alle Klassen-Klischees, die man so haben kann zu Großbritannien. Der Guardian beginnt sein Porträt über ihn: „Peter Hennessy marches into the building looking every inch the country squire on his way to the Newmarket bloodsales. He’s wearing a pale green Edinburgh tweed suit – ‚made-to-measure, of course; you can’t get away with off-the-peg at my age‘ – and talks about his journey into London as if he’d travelled from the deepest sticks, rather than his Walthamstow home in the East End of London.“

Auf den zweiten ist er, der aus einer irisch-katholischen Familie stammt, wiederum eher „the odd one out“. Der Guardian weiter: „Hennessy makes an odd revolutionary, but then some would say he makes an odd academic. He started his career doing a doctorate at the LSE, then got sidetracked into journalism for 20 years, before a two-week teaching spell with Ben Pimlott in the early 90s reignited his enthusiasm for academia. A job came up at Queen Mary, University of London; much to his surprise, he got it and for the past 12 years has been Attlee professor of contemporary British history.“ 

Zwei seiner Bücher habe ich begonnen zu lesen. „Distilling the frenzy: writing the history of one’s own times“ zum einen, zum anderen „Having it so good : Britain in the fifties“. Beide Titel haben mich angesprochen. Ich dachte, die Bücher könnten mir gefallen.

Nach jeweils etwas 50, 60 Seiten habe ich aber aufgehört.

Beeindruckend: Peter Hennessy kennt sich wirklich aus. Er hat sehr viel sehr aufwendige Quellenforschung betrieben und viel Zeit in den Archiven verbracht. Was er sagt, hat Hand und Fuß. Außerdem kann man über die zeitgenössische Geschichte Großbritanniens im späten 20. Jahrhundert ja auch recht viel Neues hier in Deutschland lernen.

Zum Stoppen gebracht hat mich:

  • Zu viele Bäume, mir fehlt der Wald – mehr Quintessenzen und Schlussfolgerungen hätten mir geholfen, auch das deutlichere Herausarbeiten von Entwicklungslinien.
  • Nicht Fisch, nicht Fleisch – für ein populär-wissenschaftliches Buch werden arg viele Historiker genannt, als bekannt unterstellt und zitiert. Das unterbricht immer wieder den Lesefluss; für ein wissenschaftliches Buch wiederum wäre es zu unakademisch.
  • Nicht zuletzt: Peter Hennessy spricht viel über sich und all die wichtigen Leute, die er kennt, trifft, berät…

Die lobenden Worte auf dem Einband kann ich selbst daher nicht nachvollziehen: „Hennessy is a master of the spoken, as well as of the written, word deployed in relaxed, conversational style.“

Bellissima – Feminine Beauty and the Idea of Italy. Stephen Gundle

Die Schönheit italienischer Frauen: hier ist das Spektrum der Assoziationen weit. Von den leichtbekleideten Frauen im italienischen Fernsehen über Sophia Loren bis hin zu den Frauengesichtern des Quattrocentro. Was immer das Herz begehrt… Aber, schöne Frauen UND die Idee von Italien? Das ist ein ungewöhnlich interessanter Ansatz.

Stephen Gundle beschreibt in seinem Buch, wie das Ideal der schönen Italienerin im Lauf der Jahrhunderte für ganz unterschiedliche Zwecke derer genutzt wurde, die es propagierten: politische Einheit, Tradition, Wohlstand nach Kriegsjahren, Modernität, Marketing, Sex. Er skizziert sowohl die inner-italienischen Trends wie auch den Blick nordeuropäischer Reisender und des westlichen Filmpublikums der 50er und 60er Jahre.

Gesamtpaket: Schönes Italien, schöne Italienerinnen

Die Idee von speziell italienischer, weiblicher Schönheit hat nach seinen Ausführungen im wesentlichen eine integrative Funktion.  Im Zusammendenken von Italien, Kultur, Kunst und weiblicher Schönheit spendete letztere auch Trost in einer als unübersichtlicher und komplexer wahrgenommenen Welt: „One of the most striking features of Italian feminine beauty is continuity or (…) the semblance of continuity. A crucial part of the appeal of this cultural configuration lies in the fact that the beautiful Italian woman is considered to be timeless (…). From the time of the Grand Tour, northern Europeans looked to the peninsula and its women, hoping to find there a sense of the wholeness that they were convinced had disappeared from their own countries.“

Schönheitswettbewerbe als Praxistest für Ideale

Besonders interessant ist Gundles Ansatz, über die Veranstaltung, Verdammung und mediale Verwertung von Schönheitswettbewerben seit den 30er Jahren die widersprüchlichen Anforderungen an das Ideal der italienischen Schönheit innerhalb der Gesellschaft zu zeigen. Alleine das Bildmaterial hierzu ist faszinierend.

Verbüffend, doch ebenso interessant wie nachvollziehbar sind seine Ausführungen zur beliebtesten italienischen Porn-Queen, Moana Pozzi, die nach ihrem frühen Tod eine Art säkulare Heilige wurde…

Kapitel von „Bellissima“

  • Italy, the Land of Beauty
  • The Blonde Aura of Queen Margherita
  • The Rise of the Professional Beauty
  • Fascism and the Allure of the Female Image
  • Beauty and National Identity after the Second World War
  • Catholics, Communists and Beauty Contests
  • The Female Film Stars of the 1950s
  • Mass Consumption and Ideals of Beauty
  • Emancipation, Eroticism and Nostalgia
  • Beauty and Ethnicity in the Era of Globalisation
  • The Return of the „Bella Italiana“

Schönheitsideal und Kulturgeschichte

Good Reads zu „Bellissima“: Feminine beauty has been more associated with national cultural identity in Italy than in any other country. From the time of Dante and Petrarch, ideals of beauty have informed artists’ work. This intriguing and gloriously illustrated book investigates the many debates this topic has provoked in modern Italy.“

Der Autor thematisiert explizit das Ideal weiblicher, italienischer Schönheit als Wunschvorstellung von Männern. Auch sprachlich berücksichtigt er diesen Aspekt: konsequent formuliert er mit großer Sensibilität, dass sich der männliche Blick auf den weiblichen Körper richtet. Dort, wo Frauen selbst die Initiative zur Selbstdarstellung und Selbstreflexion nutzten, berücksichtigt er diese Belege. Erstaunlicherweise – oder auch eben nicht – entdeckte die katholische Kirche alleine sehr schnell, dass der unbekleidete weibliche Körper, der für Marketingzwecke eingesetzt wird, nicht unbedingt eine Wertschätzung von Frauen ausdrückt.

„Bellissima“ ist reichbebildert und verfügt über eine umfangreiche Bibliografie.

A Charming Place – Bath in the Life and Novels of Jane Austen. Maggie Lane

Jane Austen und Bath. Da kommen alle Klischee-Vorstellungen von vergangener Eleganz, von Reichtum und seiner Verschwendung. Allerdings, wer heute durch Bath schlendert hat Schwierigkeiten, in Mitten der Touristen-Ströme und Schnellrestaurants etwas zu finden, woran die eigenen Wunschvorstellungen sich halten können. Das muss nicht sein.

Das kleine Buch von Maggie Lane leistet Abhilfe: auf nur 100 Seiten bietet alles, was das Austen-Fan-Herz begehrt. Die Verbindung von Austens Aufenthalten in Bath wird dargestellt, die Szenen ihrer relevanten Romane nachvollzogen. Für uns moderne Touristen bietet das Büchlein noch zusätzlich Hilfreiches durch vier Karten der Innenstadt von Bath, in die auch heute verlorene Gebäude eingezeichnet sind, ein Register und schöne Illustrationen von Bridget Sudworth.

Bath spielt eine wichtige Rolle im Leben und im Werk von Jane Austen. Nach mehreren kurzen Besuchen, lebte sie dort von 1801 bis 1806. In zweien ihrer Romane – „Northanger Abbey“ und „Persuation“ – bietet Bath den Protagonistinnen das Setting zur Überprüfung ihrer Wertvorstellungen (Catherine Morland und Anne Elliot). Auch in weiteren Werken verweist die Autorin auf die Stadt.

Im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts wurde Bath als Termalbad und Kurort attraktiv bei „people of fashion and expense“. Die zweite Hälfte des Jahrhunderts war dann geprägt von einem wahren Bauboom. Allein zwischen 1780 und 1793 (das Jahr einer Finanzkrise, ausgelöste durch den Krieg mit Frankreich) wuchs die Stadt derart, dass die Anzahl von Häusern um 45% zunahm. Ab 1800 wurde weiter gebaut.  Die wichtigsten Archtekten waren die beiden John Wood, Vater und Sohn. Bath zeigt deshalb auch heute noch ein Stadtbild voller eleganter georgianischer Gebäude.

Warum nicht nächste Woche nach Bath reisen und – mit „A Charming Place“ in der Hand – auf den Spuren von Jane Austen wandeln?

London: Guide to the Architecture of London. Edward Jones, Christopher Woodward

Dieser „Guide to the Architecture of London“ ist einfach ein Muß für alle, die London lieben und natürlich Architektur.

Was macht diesen Guide to the Architecture of London von Edward Jones und Christopher Woodward aus?

  • Er läßt sich in einer größeren Damen-Handtasche tragen.
  • Er ist nach 16 inneren Gebieten und acht Außenbezirken aufgeteilt.
  • Jede Region wird zunächst zur Orientierung durch eine Landkarte vorgestellt.
  • Alle besprochenen Gebäude sind auch im Bild zu sehen.
  • Die Beschreibung der Architekturen ist beschränkt auf das Wesentliche (wirklich kurz und knapp).
  • Innerhalb der Kapitel zu den einzelnen Regionen ist die Ordnung chronologisch.

Dieser Architektur_Führer ist ein Muster an Klarheit, Ordnung und Systematik. Er ist praktisch und informativ.

Ganz egal, ob man sich auf ein bestimmtes Stadtgebiet Londons beschränken möchte, ob die persönliche Leidenschaft Georgianische Architektur ist oder die Häuser der 1970er Jahre: Dieses Buch schärft den Blick für die wunderbare Stadt London und leistet einen Beitrag dazu, sie noch schöner zu finden.

Ach, es enthält auch eine Einleitung für den Gebrauch, eine knappe Biografie der Stadt und ihrer Gebäude; es bietet ein Farbleitsystem, ein Register und noch viel mehr…

Guide To The Architecture Of London

Tyrants: A history of power, injustice, and terror. Waller R. Newell

Zeitlich hätte dieses Buch kaum besser passen können: Eine Geschichte über Tyrannei und Tyrannen, geschrieben vom kanadischen Wissenschaftler Waller Newell, erschienen bei der Cambridge University Press im vergangenen Jahr. Vielversprechend.

Newell geht chronologisch vor und schlägt dabei zeitlich einen großen Bogen: Er beginnt mit der homerischen Zeit in Griechenland und endet fast in der Gegenwart, allerdings noch vor der amerikanischen Präsidentenwahl. Hierdurch gelingt es ihm, deutlich zu machen, dass es keinen Grund zu der Annahme gibt, in aufgeklärten Ländern und in unserer aufgeklärten Gegenwart ginge die Gefahr für Tyranneien immer weiter zurück: „(…) tyranny is a permanent alternative in human affairs and in explaining political action.“

Eine wirkliche Definition von „Tyrannei“ bietet Newell dabei allerdings nicht. Er unterscheidet pragmatisch drei Typen, die einander überschneiden und in unterschiedlichen Gewichtungen bei ein und demselben Tyrannen vorhanden sein können.

  • Zunächst  „what I call ‚garden-variety‘ tyrants (…). These are basically men who dispose of an entire country and society as if it were their personal property, exploiting it for their own pleasure and profit and to advance their own clan and cronies.“
  • Dann „the tyrant as reformer. These are men who are indeed driven to possess supreme honor and wealth, and power unconstrained by law and democracy. (…) They really want to improve their society and people through the constructive exercise of their untrammeled authority.“
  • Zuletzt die totalitäre, ideologische Variante: „They are driven by the impulse to impose a millenarian blueprint that will bring about a society of the future in which the individual will be submerged in the collective and all privilege and alienation will forever be eradicated.“

In der Darstellung von Newell ist die totalitäte Tyrannei eine relativ neue Erscheinung. Ihre geistesgeschichtliche Basis findet Newell bei Rousseau, die erste Tyrannei dieser Art im jakobinischen Terror der französischen Revolution unter Robespierre. Die Kennzeichen dieser Art von Tyrannei:

  • „driven by a utopian aim in which society is to be completely transformed from being unjust, materialistic, and selfish in the present to being spiritually pure, selfless, and communal in the future.“
  • „have a common set of genocidal aims. They all envision the return of ‚the people‘ to the simplicity of its origins, to what the Jacobins called ‚the Year One,‘ to be achieved by a grimly repressive collectivist Utopia of pure duty, submission, and self-sacrifice. (…) this return to the origins is sparked by an intense loathing of the modern age of the Enlightenment and its alleged vulgarity, selfishness, and materialism.“
  • „share (…) the identification of class or race enemies standing in the way of the coming nirvana, an enemy that sums up in itself all the modern world’s worst qualities. This enemy becomes the embodiment of all human evil, whose destruction will cleanse the planet.“

Überzeugend scheint mir die Argumentation, den heutigen Islamismus weniger als religiösen Fanatismus zu verstehen, sondern notwendig als eine Variante der totalitären Tyrannei.

Beeindruckend Newells Analyse der Entstehung der sogenannten iranischen Theokratie, in seiner Analyse ebenfalls eine totalitäre Tyrannei. Newell verfolgt die geistesgeschichtliche Entwicklung von Rousseau über Heidegger, Sartre, Fanon hin zu Ali Shariati, der es gemeinsam mit Khomeini schließlich geschafft hat, eine Theokratie zu etablieren, die eigentlich überhaupt nicht mit der schiitischen Variante des Islam vereinbar ist: „The Caesoropapist fusion of absolute monarchy and supreme religious authority (…) traditionally had no place in Shia. That all changed due to Shariati and Khomeini.“

Hoffentlich nicht zu optimistisch ist Newells Einschätzung der Stärke der Demokratie in den USA: „America has always had political extremism on both the Left and Right (…), but never have they coalesced around a broad-based utopian vision for tomorrow based upon returning to the mystical ‚destiny‘ of the past that might enlist millions.“ Dies Zitat liest sich etwas ungemütlich vor dem Hintergrund, dass Newell den rechts-populistischen, pro-russischen Parteien in Europa hohe Punktzahlen gibt, wenn man die Kriterien für totalitäre Tyrannei durchgeht.

Also viele interessante Denkanstöße und Analysen. Dennoch für mich ein etwas enttäuschendes Buch. Newell vernachlässigt, eine saubere und tragfähige theoretisch-methodische Basis für seine Darstellung aufzubauen. Seine Argumentationen sind gelegentlich ebenso weitschweifig wie anekdotisch. Der geistesgeschichtliche  Hintergrund von Tyranneien bleibt zu sehr an der Oberfläche und begnügt sich mit Namen und Überschriften. Weniger Anekdoten, mehr wissenschaftliche Substanz bei gleicher Lesbarkeit wäre vielleicht auch für die Cambridge University Press eine bessere Kombination gewesen.

Diese Kritik ändert nichts daran, dass Newell sein Fazit gut auf den Punkt bringt:
„liberal democracy, even at its worst and most flawed, is preferable to tyranny even at its best.“ Und: „As long as we remain vigilant against the wolves who prowl the perimeter, democracy is bound  to defeat tyranny because it’s simply a better idea.“

The Mighty Dead – Why Homer Matters. Adam Nicolson

Ein Buch über Homer und über Gewalt und über Zivilisation. Ungeheuer faszinierend und ebenso schrecklich in seiner kompromisslosen Benennung der Gewaltdarstellungen in Homer als brutale Gewalt.

„The Mighty Dead“ ist unkompliziert zugänglich; sein Autor nutzt Stilmerkmale aus Reisebericht, historischer Forschung und formuliert außerdem einen leidenschaftlichen Appell an die Macht der Poesie.

Das Buch verfolgt zwei unterschiedliche inhaltliche Ziele:

  1. Wie kam es zu den Texten, die wir heute als „Ilias“ und als „Odyssee“ kennen?
  2. Wovon handeln diese Texte? Was sagen sie uns?

Wie sind die Texte der „Ilias“ und der „Odyssee“ entstanden?

Adam Nicolson, Enkel von Vita Sackville-West, beschreibt in seinem Buch, wie europäische Heldenlieder aus unterschiedlichsten regionalen Gebieten für Jahrhunderte mündlich überliefert wurden. Die Sänger, die diese Lieder sangen, waren alle seiner Auffassung nach ein Teil dessen, was wir heute „Homer“ nennen. Die ältesten Teile gehen dabei vermutlich auf die Zeit von 1800 v. Chr. zurück.

Ca. 280 v.Chr. wurden in der Bibliothek von Alexandria Texte erstellt, die sich aus den unterschiedlichen, damals überlieferten Quellen – mündliche Überlieferungen und Papyri – speisten. Schon diese Texte von „Ilias“ und „Odyssee“ weisen Glättungen, Vereinheitlichungen, stilistische Veränderungen auf, so wie sie in der Übersetzungsgeschichte beider antiker Texte immer wieder vorkommen sollten: „Homer“ sollte einfach nicht „primitiv“ sein. Nicolson belegt diese These gut anhand linguistischer Details und durch die Übersetzungsgeschichte.

„He (Homer) sang of the past (…): as the violence and sense of strangeness of about 1800 BC recollected in the tranquillity of about 1300 BC, preserved through the Greek Dark Ages, and written down (if not in a final form) in about 700 BC. Homer reeks of long use.“

Wovon handeln „Ilias“ und „Odyssee“?

Funktion der Helden-Gesänge war es, den individuellen Ruhm vor der Vergänglichkeit zu retten. Die Heldentat, der heldenhafte Tod haben nur einen Sinn, wenn sie die Zeit überdauern, wenn sich jemand an sie erinnert. Das immer wieder gesungene, von Generation zu Generation tradierte Lied selbst ist deshalb, laut Nicolson, der Garant für den Ruhm der homerischen Helden. Hierbei reichen Inhalte „Homers“ weit zurück bis in die Bronzezeit: „In his Greek heroes, Homer gives voice to that northern warrior world. Homer is the only place you can hear the Bronze Age warriors of northern grasslands speak and dream and weep. The rest of Bronze Age Europe is silent. Echoes of what was said and sung in Ireland or in German forests can be recovered from tales and poems collected by modern ethnographers, but only in Homer is the connection direct.“

Homerische Gesänge haben den Konflikt „Stadt“ gegen „Gang“ zum Thema, Zivilisation gegen Barbaren. Sie beschreiben den Konflikt zwischen einer städtischen, durch Handel geprägten Zivilisation rund um das Mittelmeer mit einer von Norden kommenden Gruppe von Menschen, die  teil-nomadisch lebte und die kriegerische Auseinandersetzung im Zentrum ihres Lebens sah.

Sehr überzeugend finde ich den Vergleich zu modernen Gang-Werten, den Nicolson zieht. Dieser erinnert mich an die Formulierung Christa Wolffs „Achill, das Vieh“ (Kassandra): Für die „Gang“ zählen Ehre, körperliche Überlegenheit, Tötung des Opponenten als identitätsstiftende Attribute.

Was sagt uns heute noch Homer? Für Nicolson sind die homerischen Gesänge Texte, in denen die Brutalität des Lebens anerkannt wird. Die aber dennoch weiser sind als die in ihnen grausam handelnden Figuren und deshalb Menschlichkeit und Mitleid hochhalten. Inmitten des gegenseitigen Abschlachtens von Griechen und Troern gibt es einen Augenblick gegenseitiger Anerkennung. Priamos, der alte König von Troja, geht zu Achill, der seinen Sohn getötet hat, und bittet ihn um dessen Leichnam. Er erhält ihn. Beide Figuren teilen einen Augenblick gegenseitigen Respekts:
„Priam has brought the virtues of the city into Achilles´s heart. (…) Achilles, the man from the plains, has absorbed the beauty of Priam´s wisdom (…) Achilles will soon be dead, Troy will soon be broken, the Trojan men will soon be slaughtered, Priam among them, horribly murderd by Achilles´s own son, their women abused and enslaved, but here, in poetry, in passing, a better world is momentarily – or in fact everlastingly – seen.“

Deutschland in Gefahr: Wie ein schwacher Staat unsere Sicherheit aufs Spiel setzt. Rainer Wendt

Endlich einmal ein Bestseller in diesem Blog! Steht schon auf dem Einband!! Schon die 3. Auflage noch im Erscheinungsjahr!!!
Das Thema: Sicherheit in Deutschland und die Aufgabe des Staats, diese zu gewährleisten. Das Fazit des Autoren Rainer Wendt, Präsident der Deutschen Polizeigewerkschaft: Es steht zunehmend schlechter um die Sicherheit; der sich selbst schwächende deutsche Staat lässt dies zu.

Wendt kommt vom Fach: Er hat Polizei gelernt, war lange aktiv, bevor er in die Polizeigewerkschaft wechselte. Er hat Meinungen und äußert sie offen. Er bietet Reibungsfläche, denn vor eine unbegrenzte Auswahl von Grautönen gestellt, neigt er zu weiß oder schwarz. Wobei die Farbe Weiß in der Regel für die Polizei vorgesehen ist, die verantwortungsbewusst und kompetent trotz widriger Umstände ihr Möglichstes tut. Er adressiert ein aktuelles Thema vor dem Hintergrund von Asylbewerbern und illegaler Immigration, von AfD und Terrorismus, vor einer hoch emotionalen Öffentlichkeit in Deutschland. Dies alles erklärt, warum das Buch ein Bestseller ist. Und es erklärt auch, warum viele Rezensenten sich sehr positiv äußern: Endlich ein Fachmann, der die Dinge beim Namen nennt – sollte Pflichtlektüre für alle Bürger werden. 46 von aktuell 67 Rezensenten bei Amazon geben 5 von 5 Sternen.

Zornig ist Wendt, sarkastisch, besserwisserisch. Polemisch schreibt er, durchaus populistisch, mit so einfachen Sätzen, dass er wirklich für alle zu lesen und zu verstehen ist. In Wikipedia wird er beschrieben als „schillernd, polternd, populistisch, konservativ, medial allgegenwärtig und vor allem polarisierend“.

Sachlich ist er damit nicht und bietet seinen Lesern nie die Möglichkeit, sich eine eigene Meinung auf Basis solider Fakten und ausgewogener Argumentation zu bilden. Damit klärt Wendt nicht auf, er macht Stimmung. Quellen und Zahlen kommen fast nicht vor. Man kann ihm glauben, aber nur aus dem Bauch heraus – es sei denn, man macht sich die Mühe, selbst zu forschen und zu analysieren. Das hätte doch aber der Fachmann Wendt selber viel leichter leisten können.

Hier einige Beispiele für Darstellungen von Wendt:
„Und diejenigen, die die Polizei jahrzehntelang geschwächt, beschimpft und in ihren Wirkungsmöglichkeiten bekämpft haben, sind jetzt wieder die ersten, die ihr Versagen und Unfähigkeit vorwerfen. Das alte Spiel, durchschaubar, jämmerlich und verantwortunglos.“
„Beispiel Hauptstadt: Mit todernstem Gesicht und staatstragender Miene verkündet der Regierende Bürgermeister, dass man jetzt mehr Personal braucht. (…) Donnerwetter, da ist ja in den vergangenen zwanzig Jahren ein richtig kluger Gedanke gereift. In der Bundespolizei nicht besser. (…) Seit Jahren ein Personalfehl von rund 3000 Stellen. Und jetzt: trara! 3000 neue Stellen beschlossen.“
„Die öffentliche Diskussion um das Zeigen der Deutschlandfahne zur Zeit der Europameisterschaft im Fußball hat die deutsche Diskussionskultur in all ihrer Lächerlichkeit verdeutlicht. (…) Jetzt soll auch die Bevölkerung selbst ihr Land nicht mehr lieben und achten dürfen, wenn sie nicht in die Nähe von Nazis und Rassisten gerückt werden wollen. Das ist gefährliches Absurdistan und das meinen manche richtig ernst.“

Diese fehlende Sachlichkeit ist zu bedauern. Denn viele von Wendts Beobachtungen sind sicherlich richtig und viele seiner Vorschläge sind zumindest überlegenswert, wenn es um Stärkung von Polizei und Justiz geht, um klarere Regeln und Verfahrensweisen bei Zuwanderung und Asyl, die dann auch eingehalten werden. Dabei muss man seiner Anregung, dem angeblichen Mehrheitswillen zu folgen und zukünftig den Bundespräsidenten direkt wählen zu lassen, allerdings vielleicht nicht unbedingt folgen.

Bluestockings – The Remarkable Story of the First Women to Fight for an Education. Jane Robinson

Bluestockings erzählt die Geschichte von universitärer Bildung für Frauen in Grossbritanien. Das Buch von Robinson geht dieser in 10 Kapiteln nach. Nicht nur ziehen sich negative Bewertungen weiblicher Intelligenz durch die öffentliche Disskussion im 19. Jahrhundert. Bildung für Frauen wurde auch als schädlich für die Gesellschaft angesehen: Die Energie, die das Denken benötigt, fehlt dann dem Uterus, um gesunde Kinder empfangen und gebären zu können. Also: entweder gebären oder denken: „(…) no woman could follow a course of higher education without running some risk of becoming sterile.“

Die Bezeichnung Blaustrümpfe / Bluestockings

Der erste Blaustrumpf war ein Mann: Benjamin Stillingfleet tauchte derart bekleidet im Kreis der gelehrten Diskussionsrunde auf, die sich regelmäßig zu intellektuellen Gesprächen im Haus von Elisabeth Montagu in Mayfair traf. Das war 1765 (nicht ungewöhnlich) und die meisten Mitglieder waren Frauen (sehr ungewöhnlich): „Stillingfleet’s tendency to eccentricity was shared by other members of the group. The very idea of a female’s opinion actually mattering to the intelligentsia was unconventional, for a start.“

Die ersten Frauen-Colleges

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Mädchen zunehmend zu Prüfungen der Ausbildungsinstitute in ihrer Region zugelassen. Aus heutiger Sicht wirken die Prüfungsthemen ambitioniert. Hier als Beispiel die Themen von Edith Class aus Leeds, die 1909 Botanik studierte : „It expects candidates to cope with a panoply of questions, from the nature of sin, or Macchiavellianism, to the American system of taxation; to be able to draw a map of Queensland, Australia, labelling its railways and rivers; and to compose essays on military training, spelling reform, or Florence Nightingale.“

Aus Mädchenschulen, die auf die Aufnahmeprüfungen der Universitäten vorbereiten oder eine Alternative sein sollten, entwickelten sich erste Frauen-Colleges: z. B.

  • Benslow House in 1869, daraus wurde 1873 Girton College in Cambridge
  • 1879 Somerville Hall und Lady Margaret Hall in Oxford
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Universitätsabschlüsse für Frauen

Bereits ab 1830 haben einzelne Bildungseinrichtungen Frauen zu Vorlesungen zugelassen. Bereits? Ja, denn Cambridge als letzte  (Oxford 1920) Universität in GB erteilte Studentinnen erst 1948 offizielle Abschlüsse. Sowohl die Zulassung von Studentinnen zu Vorlesungen wie auch die Möglichkeit, Prüfungen abzulegen, wurden an vielen britischen Universitäten durch heftige Proteste der männlichen Studenten begleitet, erschwert und verhindert. Bei diesen Protesten wurden Steine geworfen und Strohpuppen bekleidet mit Frauen-Unterwäsche verbrannt. Eine amüsante literarische Darstellung dieser Auseinandersetzungen bietet „Gaudy Night“, der Krimi von Dorothy L. Sayers, deutsch unter dem Titel  „Aufruhr in Oxford“ zu haben und sehr nett verfilmt 1987 mit Peter Petherbridge und Harriet Walter.

Trotz Studium kaum Berufsaussichten

Auch nach einem Studium, welches mit brilliantem Ergebnis abgeschlossen wurde, gab es nur wenige Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen. Die offensichtlichste Lösung war es, Lehrerin zu werden oder sogar eine eigene Schule zu gründen. Gesellschaftlich erwartet wurde eher, dass die universitäre Ausbildung dann in der Erziehung der eigenen Kinder Früchte tragen würde.

Am Anfang des Buchs bietet eine chronologische Übersicht über alle entscheidenden Meilensteine einen praktischen Einstieg in das Thema. Außerdem verfügt das Buch über eine gute Bibliografie.

Das Buch selbst ist eine gründliche Darstellung aller relevanten Fakten und Entwicklungsphasen. Ein reines Vergnügen ist die Lektüre allerdings nicht. Zum einen möglicherweise, da die Geschichte vom Zugang von Mädchen und Frauen zu Bildung nicht immer heiter war, zum anderen jedoch auch, da dem Buch ein paar Funken Witz bestimmt gut getan hätten. Auch eine weniger detailbezogene Erzählweise hätte das Lesevergnügen gefördert. Für einen vergnüglichen Einstieg in die Thematik bleibt dann ja dennoch „Gaudy Night“.

Kurze Geschichte der Migration. Massimo Livi Bacci

Kurze Geschichte der Migration ist ein Buch von einem Statistiker. Nicht von einem Kulturwissenschaftler. Damit sind Themen und Argumente anders.

 

Worum geht es?

Bacci beschreibt die großen Bewegungen der Menschen weltweit seit der Ur- und Frühzeit bis heute. Als Basis dienen ihm Daten. Zahlen. Also welche Menschen gingen wann wohin? Was zeichnete sie aus? Welche Merkmale hatten die Gegenden, die sie verließen und welche diejenigen, wohin sie gingen?

Die Kernaussagen

Menschen sind immer gewandert. „Sich räumlich zu bewegen, ist eine Wesenseigenheit des Menschen, ein Bestandteil seines Kapitals, eine zusätzliche Fähigkeit, um seine Lebensumstände zu verbessern. Es ist diese tief im Wesen des Menschen verwurzelte Eigenschaft, die das Überleben der Jäger und Sammler, die Verbreitung der menschlichen Spezies über die Kontinente, die Verbreitung des Ackerbaus, die Besiedelung leerer Räume, die Integration der Welt und die erste Globalisierung im 19. Jahrhundert ermöglichte.“

Ihre Motivation war und ist es, das eigene Leben und das der Kinder zu verbessern. „Auf jeden Fall ist – wenn kein Zwang herrscht – der Grund für die Migrationsentscheidung eine komplexe Bilanz von Kosten und Nutzen, formuliert auf der Grundlage von  Erwägungen, die das Individuum, die Familie oder das Gemeinwesen, dem man angehört, betreffen. Zu dieser Bilanz gehört eine Mischung sicherer und unsicherer, gegenwärtiger und zukünftiger, materieller und ideeller Überlegungen, die sich nicht allein auf die ökonomische Komponente reduzieren lassen. Dennoch spielt diese ohne Zweifel eine Rolle: (…) Die Auswanderung ermöglicht einen Ausweg aus der Falle der Armut.“

Über Jahrhunderte waren die westeuropäischen Länder – auch das Gebiet, welches heute Deutschland ist – Auswanderungsregionen. Von hier aus wurde in viele Teile der Welt eingewandert.

Erst im 20. Jahrhundert kehrte sich dieser Trend um. Erst jetzt wurden europäische Länder das Ziel von Flüchtlingen und Einwanderern. Zitat: „Mit dem Fortschreiten des 20. Jahrhunderts verschwinden die Bedingungen, welche die großen Migrationen nach Übersee ermöglicht hatten. Bei den traditionellen Aufnahmeländern verebbt die Nachfrage an Arbeitskräften; von europäischer Seite geht das Angebot wegen Verlangsamung des demografischen Wachstums zurück. (…) Trotz der Entwicklung von Transport und Reisen, der Intensivierung der Kommunikation, des Wachstums der kulturellen Beziehungen und des größeren Wissens „entfernt“ sich Europa in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vom Rest der Welt, den es zu bevölkern beigetragen hatte.“

Die Länder Europas brauchen Einwanderer, um in Zukunft ihren Lebensstandard halten zu können: „Es handelt sich also (im 21. Jh.) um eine Einwanderung, die auch Ersatzfunktion hat, dazu bestimmt ist, nicht nur das Wachstum der Bevölkerung zu unterstützen, sondern auch die Schwächung der Ökonomien des Kontinents aufzuhalten.“

Heute wünschen sich laut Bacci viele Menschen in den reichen, westlichen Ländern eine geschlossene Gesellschaft. Aber auch eine offene. Beides nicht zu sehr. Deshalb werden seiner Auffassung nach von politisch Verantwortlichen geeignete gesetzgeberische Anpassungen verschleppt: „Oder anders gesagt, die Europäer möchten eine geschlossenen Gesellschaft, aber sie sind gezwungen, sie zu öffenen, und laufen damit Gefahr, die schlimmste und schizophrenste aller Entscheidungen zu treffen: das heißt eine de facto offene Gesellschaft mit einer Politik zu verwalten, die für eine geschlossenen Gesellschaft entworfen wurde.“

Flüchtlinge gehen am 21.11.2015 an der deutsch-österreichischen Grenze nahe Wegscheid (Bayern) während eines Schneeschauers nach Deutschland. (dpa / picture alliance / Armin Weigel)
Flüchtlinge gehen am 21.11.2015 an der deutsch-österreichischen Grenze nahe Wegscheid (Bayern) während eines Schneeschauers nach Deutschland. (dpa / picture alliance / Armin Weigel)
Ein sehr informativer Beitrag des Deutschlandfunk zum Buch findet sich hier. Auszug: „Zwar fordert er, die Konventionen sowohl der Internationalen Arbeitsagentur wie der Vereinten Nationen zu ratifizieren, um die Rechte von Arbeitsmigranten zu stärken. Auch dürfe die Migrationspolitik innerhalb der Europäischen Union nicht nationalstaatlich bleiben, sondern sei EU-weit zu regeln. Doch die Entwicklungen der vergangenen Monate, etwa die neu gebauten Grenzzäune auf dem Balkan oder die Weigerung mehrerer osteuropäischer Staaten, muslimische Flüchtlinge aufzunehmen, zeigen: Von solchen Lösungen sind Europas Regierungen noch weit entfernt.“
Das Buch „Kurze Geschichte der Migration“ fasst auf 155 Seiten in 9 Kapiteln den demografischen Kenntnisstand zur Migration zusammen. Der Text ist außerordentlich gut lesbar. Hinter den Kapiteln folgen einige Übersichten zu den wichtigsten statistischen Erhebungen zum Beispiel zum Bestand der Migranten weltweit oder zur Bevölkerung der Welt nach Niveau der Entwicklung.

Massimo Bacci ist Professor für Demografie an der Universität von Florenz. Er hat zahlreiche Studien zur globalen Bevölkerungswanderung verfasst.

The Fishing Fleet – Husband-Hunting in the Raj. Anne de Courcy

Was tut eine junge Frau, wenn sie keinen Mann bekommt, weil es zu wenige Männer gibt?

Und wenn sie auf die standesgemäße Versorgung durch einen Ehemann angewiesen ist? Und wenn sie im England des 18. oder 19. oder frühen 20. Jahrhunderts lebt?

Ganz einfach: Sie geht dort hin, wo die Männer in der Überzahl sind. Nach Indien.

Ab dem späten 19. Jahrhundert, als die britische Herrschaft in Indien  (the Raj) ihren Höhepunkt hatte, gingen viele junge britische Männer nach Indien, wo sie als Administratoren, Soldaten oder Geschäftsleute arbeiteten. Zahllose junge Frauen folgten ihnen auf den neuen Dampfschiffen und über die neue, kürzere Reiseroute durch den Suez-Kanal. Man nannte diese jungen Frauen die „Fishing Fleet“: Töchter, die in England erzogen worden waren und nun nach Indien zurückkehrten, junge Frauen mit Einladungen von verheirateten Schwestern oder Freundinnen und viele, viele andere. Viele der jungen Frauen hatten nur ein Ziel: einen Mann zu finden. Möglichst schnell.

 Hier eine Hörprobe des Audio-Buchs.

Eines war sicher: Allein das Zahlenverhältnis von 1 jungen Frau auf 4 unverheiratete Männer stellte sicher, sie würden eine tolle Zeit haben. Im frühen 20. Jahrhundert gab es in all den größeren Zentren eine quirlige gesellschaftliche Szene: Bälle, Parties, Amateur-Theater-Aufführungen, Picknicks, Tennis-Parties, Kino, Elefanten-Ritte, Tigerjagden und luxuriöse Dinner bei befreundeten Maharadschas.

Aber nach der Hochzeit sah es häufig anders aus. Das Leben der jungen Frauen veränderte sich häufig auf dramatische Weise: Oft fanden sie sich gestrandet an einem einsamen Punkt in der Weite Indiens. Wenige oder keine Europäer waren in der Nähe, Krankheiten und Sterbefälle gehörten zum Alltag. Per Kamel oder Pferd ritten diese Frauen dann mehrere Stunden im hochgebundenen Abendkleid zu einem Ball oder zum Club. Für eine Zahnbehandlung waren nicht selten Reisen von 50 Stunden Dauer normal. Und dennoch: Viele Frauen des Raj hatten Augen und Ohren für den exotischen Zauber Indien. „The Fishing Fleet“ ist ihnen gewidmet.

Zum historischen Hintergrund hier History Today mit weiteren Informationen.

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Anne de Courcy  ist eine britische Schriftstellerin und Journalistin. Sie war in den 1970er Jahren Woman’s Editor der London Evening News, arbeitete danach für den Evening Standard und später die Daily Mail. Zu ihren ausgezeichneten Biografien gehören THE VICEROY’S DAUGHTERS, DIANA MOSLEY und DEBS AT WAR sowie SNOWDON.